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jede äußere oder innere Verletzung wahrnimmt: so kann dieschmerzhafte Empfindung, wenn solche anhaltend oder groß ist,das Wesen der ganzen Seele trüben.
Aus der pflanzenhaften Natur des Körpers entspringen diesogenannten Temperamente. Eine größere oder geringereSchwäche und Reizbarkeit der Nerven, eine größere oder ge-ringere Erregbarkeit der Galle, eine größere oder geringereSchwachheit der Eingeweide, ein dickeres oder leichteres Geblütin den Adern und dergleichen mehr, hat auf das Wohlsein derSeele nothwcndig den entscheidendsten Einfluß. Je mehr dieFehlerhaftigkeit des Leibes die Seele zu schmerzlichen Gefühlenbringt, oder ein gesunder Körper ihr Behaglichkeit und Heiter-keit gewährt, je mehr ist sie zum Guten oder Bösen geneigter.Derselbe Mensch, welcher in gesunden Tagen übermüthig,heftig, wollüstig war, kann in kränklichem Zustand liebreich,sanstmüthig, bescheiden, ehrbar sein. Und umgekehrt erfahrenwir oft, daß eine Person, die in gesunden Tagen mildthätig,wohlwollend, zutraulich war, in krankhaften Umständen sehrmürrisch, zänkisch, argwöhnisch wird. Die meisten sogenanntenguten oder Übeln Launen sind Folgen ihrer körperlichen Ge-sundheitsverhältnisse. Oft ist der Seelcnarzt unnütz, weil derLeibesarzt allein helfen kann, indem er das Werkzeug der Seele,die pflanzenhafte Natur, wo sie gestört ward, in ihren Ord-nungen wieder herstcllt. So fruchten alle religiösen Vorstellun-gen, alle wehmüthigen Ermahnungen bei einem Trunkenboldeoder viehischen Wollüstling nichts; denn seine Seele ist krankgeworden durch den Körper, dessen Nervcnbau gelahmt warin seinen Verrichtungen. Der Körper muß erst gerettet werdendann gesundet die leidende Seele von selbst.
Wie wichtig ist demnach die Pflicht, über des Körpers Ge-sundheit zu wachen, da von seinem richtigen oder unrichtigenZustand unsere höhere Vollkommenheit, das Wohlsein derSeele, djü Herrlichkeit und Tugend des Geistes, abhängen kann!Die Pflichc wird um so bedeutender, da sich gewisse Krankheitenund Mängel des Leibes auch auf die Nachkommen vererben,womit denselben zugleich auch die größcrn oder geringem