Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
86
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Triebe des Geistes wollen Vervollkommnung, Verherrlichung,Heiligung.

Aber die Triebe zur Erhaltung meines Leibes sind an sichselbst sehr unschuldig. Welches Verbrechen kann einer Pflanzeaus ihrer Neigung gemacht werden, zu wachsen, sich zu ver-mehren und Nahrung an sich zu ziehen? Ich bemerke viel-mehr, daß die Neigung des Geistes nach Vollkommenheit durch-aus mit den Gesetzen meiner pflanzenhaftcn Natur in schönerUebereinstimmung lebt. Was mein Körper zu seiner Erhaltungund Tauglichkeit nothwendig begehrt, achtet der Geist fürPflicht, ihm zu schaffen. Die heilige Schrift selbst ermahnte,für die Gesundheit des Leibes zu sorgen, und Alles zu ver-merken, was derselben schädlich werden, könnte. Was vermagder Künstler ohne ein kräftiges Werkzeug, und was der Geistohne einen kräftigen Leib?

Der allweise Schöpfer sicherte aus dieser Ursache den Körperauf mancherlei Weise gegen Selbstverstümmelung und Ver-nichtung. Schon der Verstand des Geistes war sein vornehmsterHüter und Beschützer. Der Trieb des Lebens dringt gewaltigauf Befriedigung aller Bedürfnisse, welche der Leib zu seinerAufrechthaltung vonnöthen hat.

So ist der Geist nur natürlicher Beschirmer seines wunderbareingerichteten Werkzeuges, ohne demselben unterthan zu sein.Die Naturgesetze des Pflanzenlebens sind so heilige Anordnungendes Schöpfers, als die Gesetze des Geistes. Auch ist zwischendem, daß ich Pflanze bin, und dem, daß ich Geist bin, eigent-lich kein zur Sünde entartender Widerspruch. Denn fordert derLeib Nahrung: wie darf ich sie ihm verweigern? und ist er nachlangem Wachen des Schlafs bedürftig: wie könnte mein Geistihn desselben berauben, auch wenn er wollte? Man pflegt daherauch im gemeinen Leben sehr richtig zu sagen: wenn die Narurihre Rechte fordert, kann alle menschliche Kraft nichts dagegen.

Ueberhaupt gehen im Menschen die Geschäfte des bloßenPflanzenlcbens meistens vor sich, ohne daß der Geist nur daraufachtet und davon weiß. So die Ausdünstung; die Verdauung;die Verwandlung der Speisen und Getränke in Schweiß,