Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
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Darum ist Gesundheit des Lebens, das heißt, Vollkommen-heit des Werkzeuges, zu erhalten, eine der ersten Pflichten desMenschen gegen sich selbst. Die in ihm wohnenden Ordnungendes Pflanzenlebens sind so fest, so stark, so ehrwürdig, daß derGeist sie keineswegs aufhcben darf, ob er ihnen gleich nichtunterworfen ist. Der Leib fordert zu seiner Erhaltung Speiseund Trank, gesunde Luft zum Athmen, Reinlichkeit der äußernTheile oder Haut, damit diese zum Einsaugen der feinern Stoffeaus der Luft und zum Absondern der unnützen, überflüssigenBestandtheile tüchtig bleibt; fordert Schutz gegen äußere Ver-letzungen durch schickliche Kleidung und Behausung; fordert zurBereitung gesunder Säfte und zur Entwickelung der KräfteBewegung, Thätigkeit, und dann wieder Schlaf und Reche,um das Verlorne wieder zu ersetzen. Alles sind göttliche An-ordnungen in der menschlichen Pflanzennatur. Diese Anordnungenoder Gesetze finden wir auch bei den übrigen Pflanzen wieder,wenn wir sie recht genau beobachten. Auch Kräuter und Bäumehaben ihren Schlaf, was map bei vielen am nächtlichen Zu-sammenlegen ihrer Blätter, oder am Einziehcn und Verschließenihrer Vlumenkronen wahrniinmt. Auch Pflanzen athmen ausund ein; der Duft der Rose ist gleichsam ihr süßer Athem, densie verbreitet; und hohe Bäume pflegen oft ungesunde Luft zuverbessern, indem sie die schädlichen Bestandtheile derselben ein-athmen oder zum Leben tauglichere Luft ausathmen.

Gleichwie ein guter Künstler, und wäre er noch so sinnreichund geschickt, von seinen Werkzeugen abhängig ist; und sowie die Feinheit und Güte von diesen einen großen Einfluß aufdie Feinheit und Güte seiner Arbeiten hat, die er mit ihnenverfertigt: so ist auch der menschliche Geist von seinem Leibeabhängig. So hat auch ein gesunder oder kranker Leib noch-wendig einen großen Einfluß auf die freie Thätigkeit oderBeschränktheit des Geistes.

So finde ich nun schon durch die pflanzenhafte Naturmeines Körpers ein Gesetz in mir selbst, das mit dem Gesetzdes unsterblichen Geistes gar nichts gemein hat. Die Triebe desKörpers bezwecken nur seine Erhaltung und Fortpflanzung; die