Nur der Mond, dieser einsame Gefährte unserer irdischenNächte, nur er ist die kleinste von allen Welten, welche wir mitbloßen Augen auffallend bemerken. Er scheint uns größer alsdie übrigen zu sein, weil er dem Weltball, welches uns Gott zurWohnung angewiesen, viel näher schwebt, als die andern. SeineOberfläche ist vierzehnmal kleiner, als die Oberfläche des Erd-balls. Aber wie entfernt bleibt er dennoch von uns in seinerBahn, in der er die Erde umkreiset, daß er nicht größer scheint!
Schon mit bloßen Augen erkennen wir an diesem uns be-nachbarten Weltkörper hellere und dunklere Stellen. Warumwird des Menschen Neugier nicht rege, zu erforschen, woher dieseglänzenden und dunkeln Gegenden entstehen mögen? Warumist denn unsere Neugier in vielen geringer,: Sachen thätiger,als in solchen, wodurch wir die Majestät des Schöpfers lichtvollerkennen würden?
Inzwischen haben die Sternkundigen durch kunstvoll ge-arbeitete Fernrohre jene Welt näher betrachtet. Sie haben dortin den Streifen, Flecken und Schatten mit Erstaunen Berge,Thäler, große Vertiefungen entdeckt — eine Welt entdeckt, diezwar in vielen Dingen demjenigen sehr ähnlich ist, was wir hierauf Erden haben: was aber auch in Vielem ganz anders ist,als es bei uns ist.
Die großen dunkeln Flecken des Mondes scheinen wohl nurweitläufige Ebenen zu sein, welche das Licht der Sonne nichtso hell zurückwerfen, als die Hellern Theile. Denn nur durchdie Sonne empfängt der Mond seinen wiederscheinenden Glanz,gleich der Erde; und unsere Erde, wenn sie am Tage von derSonne beleuchtet wird, muß den dort lebenden Wesen ebenfallsin ihren Nächten am Himmel gleich einem großen, prachtvollenMond erscheinen. So sorgt die ordnende Weisheit des Allgütigenvon Welt zu Welt. So dient im Unendlichen seiner SchöpfungEins dem Andern zum Nutzen und zur Schönheit. So wirdEins seiner Werke dem Andern zum Wunders und offenbart erseine Größe in Allem.
Ehemals hat man jene dunkeln Stellen für Meere gehalten,und sie auch also genannt. Allein nach sorgfältigem Beobach-