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6 (1837) Gott in der Natur
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es mein Auge kennt, verwandelt, wenn du mit dichter» Schattenzugleich den Schlummer auf die Augen der Lebenden senkst,und, wenn eine Sonne vom Himmel verschwindet, den Vor-hang leise vom Firmament hinwegziehst, um uns tausend andereSonnen in unendlichen Fernen zu zeigen, und mit den Strahlender Sterne Ahnungen der Ewigkeit zu geben.

Wo ist der Mensch, der ganz gelassen bleibt und unbewegt,wenn er einsam in die Stille der Mitternacht hinaustritt, undvor ihm sich eine ganz andere Erde, ein ganz anderer Himmelauszubreüen scheint? wenn das Schweigen des Grabes aufden Straßen und Plätzen ruht, wo noch vor wenigen Stundendas fröhliche Getümmel geschäftiger Menschen rauschte; wenndie Gärten, die Wälder, die Wohnungen der Sterblichen, allePracht der Natur, alle Werke der Kunst, in Finsterniß ver-schwunden sind, oder im blassen, zweifelhaften Dämmerlicht desSternenscheins und des Mondes schimmern? Ein unwillkür-licher Schauer durchdringt die Seele. Der stille Ernst der nächt-lichen Welt beherrscht unwiderstehlich zuletzt das Gemüth auchdes Fröhlichen. Was ist alle Herrlichkeit der Erde, wenn ihvder Zauber des himmlischen Lichtes entzogen ist? Was ist alleMacht des furchtbarsten Sterblichen, wenn der Schlaf ihn irrseinen Fesseln bewußtlos dahin gestreckt hält? Was ist allerReichthum des Reichen, wenn er gleich einem Todten nebenseinen leblosen Kostbarkeiten ruht?

So stimmt uns die Nacht zu ernsten Empfindungen. Siesammelt den zerstreuten Geist, und zwingt ihn mit unüberwind-licher Stärke, an sich und seine Bestimmung und den Werthder Dinge zu denken. Schon manchen Leichtsinnigen führte dieFeierlichkeit einer Mitternacht zur stillen Uebcrlegung zurück,schon manchen Zweifler zum Glauben an Gott, schon mancherrspöttelnden Sünder zur Tugend.

Wie in jeder Jahreszeit, so in jeder Tageszeit, offenbartsich uns die Gottheit auf eine andere Weise; anders in denSchönheiten eines lieblichen Morgens, anders in den Wohl-thaten des Mittags, anders in der milden Stille eines Abends,anders in dem Schweigen und majestätischen Ernst der Nacht.