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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
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Sonnenuntergang ab, bis wir allein übrig bleiben mit unfernEmpfindungen und Erinnerungen der Vergangenheit.

Diese Einrichtung der Natur ist wahrlich nicht bloß vor-handen, um in der uns gebotenen Ruhe Erholung des ermüdetenKörpers zu finden; sondern auch, um den durch die Gegenständeund Begebenheiten des Tages zerstreuten Geist wieder zu sam-meln, daß er seiner mächtig werde. Das Ohr vernimmt nichtsmehr; aber das ist der Augenblick, den uns die göttliche Welt-ordnung verleiht, unser Inneres desto ungestörter zu behorchen.Rings um uns her ist Alles still; aber desto lauter sind in unsnoch mancherlei Gefühle und Wünsche, die eine Wirkung derTagesvorfälle waren. Unser Auge sicht nichts mehr; die Farbenund der Glanz des Tages können unfern Blick nicht mehr fesselnund zerstreuen aber nun ist es Zeit, mit den Augen desGeistes zu sehen, und unser Selbst zu beobachten. Wir findnicht mehr dieselben Personen, die wir noch am Morgen waren;jeder Tag wirkt auf unser Gemüth, und bringt darin größereoder geringere Veränderungen hervor. Warum beobachtest duso gern die Verwandlungen draußen und den Wechsel derMenschen und Dinge, die dich umgeben? Bist du dir nichtselbst der Nächste? Verdienst du nicht, daß du dir selbst einenaufmerksamen, forschenden Blick gönnst?

Du erlebst keinen Abend, ohne nicht eine Menge wichtigeroder geringerer Erfahrungen gesammelt zu haben während desverflossenen Tages. Was macht uns denn weise und verständig,als die Erfahrung? Die Stille und Dunkelheit der Abendstundeladet dich ein, über diese Erfahrungen nachzudenken, mit welchendich der letzte Tag bereichert hat. Du verschmähst es, vielleichtaus Bequemlichkeit, aus Leichtsinn. Aber wie beklagenswürdigbist du, daß du den schönsten Theil, die wahre Frucht deinesLebens verächtlich oder gleichgültig von dir wirfst! Vieles vondem, was du heute gelebt hast, wirst du vergessen, wenn du csnicht der Mühe werth hältst, in einem ruhigen Augenblicke desAbends dich noch einmal daran erinnern zu lassen, um Nutzendaraus zu ziehen. Was ist dir denn an den ersten Jahren deinerKindheit gelegen, von denen du dich nichts mehr erinnern kannst?