Von dem Auge. 29 z
worden, vorstellten, wir fanden aber nachher daß wir unsgeirrt hatten, denn beynahe zwey Monate nachdem er operirtworden war, entdeckte er auf einmahl daß sie feste Körper vor-stellten, da er sie bisher nur als hin und wieder gefärbte Fla-chen, oder Oberstachen angesehen hatte, die mit einer Man-nichfaltigkeit von Farben bemahlt waren, aber auch jetzt warsein Erstaunen nicht gering, denn er erwartete daß die Ge-mählde sich so anfühlen würden, wie die Gegenstände die sievorstellten, und er verwunderte sich, als er fand daß die Theiledie vermöge ihres Lichts und Schattens, jetzt rund und une-ben erschienen, sich ganz eben wie das übrige anfühlten, undnun fragte er, welcher Sinn ihn betröge, das Gefühl oderdas Gesicht?
Als man ihm das Bildniß seines Vaters in einem Ver-lock an seiner Mutter Uhr zeigte, und sagte was es wäre, sobekannte er daß eö Ähnlichkeit hätte, war aber höchst ver-wundert darüber und fragte, wie es möglich wäre daß so eingroßes Gesicht in einem so kleinen Raum auögedrückt werdenkönnte, ja, sagte er, eö würde ihm so unmöglich geschienenhaben, als wenn jemand einen Scheffel von einer Sache, ineine Metze hätte stecken wollen.
Anfänglich konnte er nur wenig Licht vertragen, unddie Dinge die er sah, erschienen ihm außerordenlich groß;als er aber größere Dinge sah, schienen ihm die, welche erzuerst gesehen hatte kleiner, und nie konnte er sich eine Idee vonetwas größerm machen, als das war, was er sah; Er sagte,er wüßte wohl daß das Zimmer in dem er sich befände, nureinen Theil des ganzen Hauses ausmachte, jedoch konnte ernicht begreifen, wie das ganze Haus größer aussthen könnte.Ehe ihm der Staar gestochen war, erwartete er wenig Vor-theil vom Sehen, der der Operation werth gewesen wäre,außer Lesen und Schreiben; denn, sagteer, er glaube daß esihm nicht mehr Vergnügen machen würde auszugehn, als ihmdas Spatzieren im Garten machte, welches er mit so viel Si-
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