Druckschrift 
W. Cheselden's Anatomie des menschlichen Körpers : Mit vierzig Kupfertafeln nach Vandergucht von Riepenhausen
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

Von den lymphatischen Gefäßen. 20l

Diese Gefäße sind von Schriftstellern beschrieben undabgebildec worden, so wie sie mit Quecksilber eingesprüht er-scheinen ; hier aber kann die Haut dieser Gefäße, da sie außer-ordentlich dünn ist, nicht hindern, daß nicht allenthalben zwi-schen den Klappen das Quecksilber vermöge seiner natürlichenAnziehung in Kugeln zusammen laufe; dasselbe Ansehen er-halten sie auch, wenn sie sehr stark ausgedehnt sind; denn'da die Klappen, da wo sie sihen, die Ausdehnung verhindern,so nähern sich die Räume zwischen ihnen, wegen dem gleich-förmigen Druck der Flüssigkeit, einer, dem Grade der Aus-dehnung gemäßen, runden Gestalt; im natürlichen Zustandeaber, wenn sie mit Lymphe angesüllt sind, oder wenn mansie mäßig mit Wasser oder Lust anfüllt, erscheinen sie eben socylindrisch als die Blutadern. Wenn einige dieser Gefäßebersten, so verursachen sie eine Wassersucht der Höhle, in diesie sich öffnen, welches öfter in der Bauchhöhle als in derBrusthöhle geschieht. Diese Art der Wassersucht wird zu-weilen durchs Abzapfen geheilt, und der Grund, warum die-ses nicht öfter mir Erfolg angewandt wird, liegt darinn, daßdiese Krankheit gemeiniglich ihren Ursprung in einer krankenLeber hat. Sonst zapfte man bey dieser Operation nur ei-nen Theil des Wasiers auf einmahl aus, und ließ zuwei-len das Instrument in der Wunde stecken, um nachher mehrabzuzapfen, was aber sehr schmerzhaft war, und zuweilenBrand erregte; wurde aber viel Wafferaufeinmahl abgezapft,,so befand sich der Kranke sehr übel und wurde gewöhnlichunmächtig, dieß, glaubte man entstünde davon, daß derVerlust der Flüssigkeit auf einmahl zu groß wäre. O.NIeaöaber bemerkte, daß diese Zufälle unmöglich von dem Verlusteiner ausgetretenen Flüssigkeit herrühren könnten, und fandglücklich die wahre Ursache, in dem schnell erfolgenden Man-gel des Drucks der Bauchmuskeln gegen die in der Bauch-höhle enthaltenen Theile; und im Jahr 170;, als er Arzc desSt. Thomas Hospitals war, ließ er die Operation auf fol-gende Art machen: er verordnte daß der Bauch des Kran-ken, während das Wasser ausfloß, durch die Hände der Ge-

N 5 hülfen