Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
Seite
CXLIV
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können. Doch war er, in dem Umgänge mit seinenFreunden nicht geneigt, seinen Sähen diejenige ae-ncnre Bestimmung zu geben, die wir in seinen Schrif-ten bewundern. Vielmehr begnügte er sich dann, dieGegenstände nur mit einigen starken und meisterhaftenZügen, aus dem Gesichtspunkte, in welchem sie ihmgerade seine gegenwärtige Gemüthssii'mmung oderseine Einbildungskraft zeigte, darzustellen. Etwasähnliches fand statt, wenn er, bey recht guter Laune,die Charaktere einiger Personen zu schildern versuch-te, die er, wegen der langen Bekanntschaft mit ihnen,durch und durch hätte kennen sollen. Die Schilde-rung war immer lebhaft und voller Ausdruck; sie hat-te auch gemeiniglich irgend eine starke Aehnlichkeitmit dem Urbilde, wenn man dieses von Einer Seitebetrachtete; aber sie gab vielleicht einen vollständigenund richtigen Begriff von demselben, wenn man esnach allen Seiten, und in allen Verhältnissen ansah.Mit emem Worte, es war der Fehler seiner auf derStelle gefällten Urtheile, daß sie zu einseitig warenund zu sehr einzelne Beschaffenheiten des Dinges ver-größerten.

Doch welche Ursachen auch bey diesen kleinenEigenheiten seines Betragens zum Grunde liegenmochten: so ist doch gewiß, daß sie mit der natürli-chen Einfalt und Kunstlosigkeit seines Geistes zusam-menhingen. Durch diese liebenswürdigen Eigenschaf-ten erinnerte er seine Freunds oft an das, was vondem guten La Fontaine erzählt wird; und sie ward

bey