Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
Seite
CXLIII
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exi.uL

zu übelgegründetem Argwohn geneigt. Die Gewohn-heit, die menschlichen Angelegenheiten und Leidenschaf-ten immer im Großen zu betrachten, ließ ihm wederZeit noch Neigung , die unwichtigen Eigenheiten ge-wöhnlicher Charaktere zu studiren. Und daher, ober gleich mit den Gesetzen, wornach Verstand undHerz wirken, vollkommen bekannt war, und in sei-nen Schriften die feinsten Schattirungen der Geistes-Anlagen und der Leidenschaften zu bemerken wußte: sotraf er doch oft in Beurtheilung einzelner Menschen,auf eine unbegreifliche Weise weit vomZiele.

Die Meinungen, welche er in den sorglosemUnterhaltungen mit vertrauten Freunden über Bü-cher, und über spekulative Gegenstände wagte, warennicht immer so, wie man sie von seinen höher« Einsich-ten , uiici seinen so sehr unter sich einstimmigen Prin-cipien erwartet hätte. Sie wurden zuweilen durchzufällige Umstände und die Laune des Augenblicks be-stimmt: daher sie dann, wenn sie von Perffnen, die ihnnur gelegentlich sahen, wieder erzählt wurden, falscheund widersprechende Begriffe von seinen wirklichenGesinnungen erweckten. Es war indeß auch in sol-chen flüchtigen Bemerkungen immer viel Wahrheitund noch mehr Scharfsinn; und hätte man die zu ver-schiedenen Zeiten über dieselbe Sache von ihm gefäll-ten Urtheile mit einander verbunden, und durch einan-der wechselöweise eingeschränkt: so würbe man gemei-niglich aus ihnen eine eben so genugthuende, als rich-tige Entscheidung des Ganzen haben zusammensetzen

kön-