Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
Seite
LII
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So oft icb mm, durch die Heftigkeit der Leiden-schaft verleitet werde, diese Betrachtungen aus denAugen zu setzen, und in dem Falle eines Widerspruchszwischen meinem und andrer Vortheile, nach meinemeignen individuellen Gefühle, nicht nach dem gemein-schaftlichen aller unparteyischen Zuschauer, zu han-deln : so oft mißbillige ich, bey ruhiger Selbstprü-ftmg, meine eigne Handlung; oder ich empfinde Ge-wissensbisse. Wenn meine Leidenschaft nun befrie-digt ist, und ich anfange mit kälterm Blute über mei-ne Handlung nachzudenken: so kann ich mich selbstnicht mehr in die Gemüthsfiimmung versetzen, auswelcher dieselbe entstanden war. Die Bewegungs-gründe, welche mich dabey regiert hatten, scheinenmir jetzt eben so unschicklich und unzulänglich, als sieder übrigen Welt schon immer geschienen haben; ichbetrübe mich über das Unglück, welches ich angerich-tet habe, ich fühle Mitleiden mir der Person, welchedurch mein begangenes Unrecht leidet; und ich erken-ne den allgemeinen Unwillen, der gegen mich rege wer-den muß, für gerecht. Diese Empfindungen sind eseigentlich, weiche wir Gewissensbisse nennen; sie sindzusammengesetzt aus dem Gefühl der Schaam wegender Unschicklichkeit unsers vergangnen Betragens, ausdein Gefühl des Schmerzes wegen des dadurch ange-richteten Unglücks, aus dem Gefühl des MitleidenSmit der ungerecht leidenden Person, und endlich ausdem Gefühl der Furcht vor der Strafe, mit welcherder allgemeine gegen uns erregte Unwille aller Vernunftligen Wesen uns bedrohet. Die