Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
460
Einzelbild herunterladen
 

kriegten. Sie sind vorüber, Dank sei es dem edlern Geiste,welcher Volker und Fürsten in dieser Hinsicht heute belebt!

Demungeachtet bleiben demjenigen, welcher, seiner Pflichttreu, Religion und Religiosität allgemeiner machen möchte, nochviele Schwierigkeiten zu bekämpfen übrig. Ein großer Theil derMenschen ist von dem übertriebenen, oft mörderischen Eifer fürReligion zwar zurückgekommen, aber in das entgegengesetzte Uebel,in völlige Schlaffheit und Gleichgültigkeit gegen alles Religiöse,verfallen. Man droht nicht mehr mit Feuer und Schwert;aber man droht mit Spöttelei, Achselzucken und verächtlichenSeitenblicken. Und so ist es in der menschlichen Natur; Viele,die ohne Furcht für ihre Überzeugungen dem Tode entgegen-gehen würden, ziehen sich scheu vor einem Hohnlächeln zurück;Viele, die Muth genug hätten, ihres Glaubens wegen alleMartern zu dulden, können ein witziges Wort des frechenSpötters nicht ertragen, und verläugnen, was sie sonst nichtverläugnet haben würden, wenn man ihnen auch Haus, Habeund Gut geraubt hätte !

Eine andere Schwierigkeit, Religion und Religiosität, oderdas Gottesreich auf Erden, zu verbreiten, liegt in dem rechtenBekenntniß Jesu selbst. Denn die Artikel des Glaubens imGcdächtniß haben und aussprechen, oder sie Andern erklären, isteine leichte Sache. Der Jüngling, wenn er die hohen Schulenverläßt, und den Lehrstuhl besteigt in christlichen Tempeln, kannes auch. Aber noch ist er so wenig der wahre Jünger und BoteJesu, als der betagtere Geistliche und Seelenhirt, welcher seinehrwürdiges Amt um des Brodes willen, wie ein Handwerk,betreibt, die Pflichten vollstreckt, für welche er Bezahlungempfängt, und sich im klebrigen weder um die Besserung derGemüther und Veredlung der Sitten, noch um die hellere Ver-standeserleuchtung seiner ihm Anvertrauten weiter bekümmert»Sie bekennen den Herrn nur mit dem Munde; aber in ihremHerzen wohnt Habsucht, Eitelkeit, Eigennutz, Stolz und Wider-spruch alles dessen, was ihre Lippen verkünden. Wenn sie denäußern Anstand beobachten, nicht großen Lastern öffentlichhuldigen, sich von gewissen öffentlichen Lustbarkeiten, die an