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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Ohnehin ist diese Pflicht so leicht! Treibt nicht Jeglichenschon seine eigene Neigung an, das, was er für wahr, gut undnützlich hält, Andern bekannt zu machen? Wie eifrig sind dieMeisten Menschen , wenn sie'im Besitz irgend einer Wahrheit zusein glauben, solche zu behaupten, zu vertheidigen, allgemeinanzuempfehlen! Und geschieht es auch nicht immer aus Menschen-Liebe, so geschieht es um des großen Vergnügens willen, welchesman empfindet, mit seinen bessern Ueberzeugungen in der Weltnicht einsam zu stehen, sondern Genossen und Mitbekenner der-selben zu haben.

Was wir nun schon für einzelne Meinungen willig und un-aufgefordert thun: sollten wir es weniger für dasjenige thun,was das Glück unsers Herzens, den Trost unfers Lebens, dieHoffnung in unserm Tode macht?

Freilich, das Gottesreich, nämlich Religion und religiösenSinn, zu verbreiten, ist nicht so leicht, als Verfechter irgendeiner andern Meinung zu sein. Aber die größere Schwierigkeit,welche damit verknüpft sein mag, vermindert damit unserePflicht nicht, sondern soll vielmehr unfern Eifer für solch eingöttliches Unternehmen anfachen. Daran erkennt man die Kraftedler Menschen, daß obwaltende Hindernisse sie mehr reizen, alszurückschrccken, das gute Werk zu vollenden. Hatten die erstenJünger Jesu zur Ausbreitung des weltbeseligenden Glaubensweniger Hindernisse zu besiegen? Wurden ihre Nachfolger durchdie Leid.n und Trübsale der Vorgänger abgehalten, deren Fuß-stapfen zu folgen?

Und rings umgeben von christlichen Völkern, beherrscht vonchristlichen Fürsten, drohen wegen des Bekenntnisses der Reli-gion Jesu keine Foltern, Scheiterhaufen, Kerker, Ketten undHinrichtungen mehr. Ein jeder hat das Recht, seinem Glaubenzu folgen. Niemand darf den Andern wegen seiner religiösenUeberzeugungen gewaltsam beeinträchtigen. Selbst jene trau-rigen Zeiten, die Schandflecken der Christenheitsgeschichte, sindvorüber, da noch Christen einer Kirche unduldsam die Dolchegegen Christen anderer Kirchen wetzten; sich, wie sie glaubten,zur Verherrlichung Gottes, gegenseitig plagten, würgten, be-