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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
461
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sich sehr unschuldig sein können, zurückziehen, glauben sie ihrerPflicht ein Genüge gethan zu haben. Aber anständige Sittensind noch kein Christenthum, und bloße Klugheit ist noch keineReligion. Diese soll nicht bloß mit dem Wort, sondern mit derThal bekennet werden; du sollst deinen Gott lieben von ganzemHerzen, von ganzer Seele, und deinen Nächsten wiedich selbst. Dies ist die Hauptsumme der Gebote Jesu; diesdas wahre Christenthum, wie es im Leben offenbar werden soll!Um das Gottesreich unter Menschen zu verbreiten, mußt du eserst in dir selber gegründet haben; um Andere für Jesum zugewinnen, zeige ihnen selbst erst die Früchte deines Glaubensan ihn. Gehe hin, verläugne dich selbst, überwinde deineLeidenschaften, deine Lieblingsfehler dann Haft du den furcht-baren Feind besiegt, der dir wehren wollte, gleich Jefu und denAposteln das Reich der Gottheit auszubreiten!

O Christ, o Mitstreiter Christi! wenn es denn deinem Herzenheilige Pflicht ist, das, was du für wahr, gut und beseligendhältst, unter den Menschen allgemeiner zu machen, warum wankstdu, dieser Pflicht ein Genüge zu leisten? Du bewunderst denMuth der Apostel, den Muth jener frommen Männer, die sichin die Wüsten roher Völker wagten, um der Religion Jesu neueBekenner zu erwerben: warum folgest du ihnen nicht? Es istnicht nöthig, daß du deine Heimath, deine Angehörigen verlassest,daß du über Weltmeere schiffest und unter Nationen, die nie denNamen Christi hörten, seine Lehre tragest; sieh um dich her,unter deinen Mitbürgern sieh umher, und du wirst das gleichverdienstliche Werk zu thun Gelegenheit genug finden. Siehedort den rohen Haufen des gemeinen Volkes, welches mit ver-finstertem Verstände, verwahrloset im Jugendunterricht, zu denKirchen hineilt, um äußere Zeremonien mitzumachen, und dannsich allen Hingebungen des Aberglaubens, seiner Vorurcheile,seiner thierischen Begierden überläßt! Siehe hier den gemeinenHaufen der Halbgebildeten, die eine Aufklärung des Verstandeszu haben meinen, die Kirche verachten, über Religion lächeln,das Hören und Lesen religiöser Schriften langweilig finden, imUebrigen aber in bloßer Klugheit ihr Heil, in schlauer Benutzung