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Wer hätte damals glauben sollen, daß diese kleine Christen-gemeinde innerhalb Jerusalems Mauern die Stammmutter einerüber den ganzen Erdball zu verbreitenden Religion werden würde?Damals achtete man derselben kaum in ihrer Dunkelheit unv Är-mlich. Zur Ausbreitung ihres Glaubens hatte sie keine Waffen,keine Heerführer — nichts als die ewige himmlische Wahrheit.Sie fesselte das Auge der Fürsten und Völker nicht durch denGlanz kirchlicher Gebräuche, sondern lebte in ihrer Unschuldund Tugend verborgen, und dennoch wurden ihrer Anhängertäglich mehr.
Die alten Widersacher Jesu, jene Priester und Gesetzlehrer,jene Pharisäer und Sadduzäer, jene, welche den Messias zumTode verdammt hatten, glaubten, mit seinem Verschwinden seiauch sein Wort verschwunden. Aber wie erstaunten sie, da sie ver-nahmen, daß der von ihnen zum Tode geführte Jesus nicht nureinzelne Freunde hinterlassen hatte, sondern daß schon mehrereTausende auf seinen Namen getauft waren. Ihr Grimm lebtegegen die Unschuldigen von neuem auf. Von neuem begannenihre Verfolgungen. Sie ließen die Apostel in die Kerker schleppen,ließen die Versammlungen der Christen stören. Umsonst! Ausden Kerkern tönten Gottes Lobgesänge, und von den Lippen derLeidenden die himmlischen Trostgründe der Religion. — Nochwar bloß auf den Umfang von Jerusalems Mauern die LehreChristi beschränkt. Aber die Apostel, durch die wider sie erhobenenVerfolgungen zerstreut, traten nun in die römische Welt hinaus,und verkündigten das Evangelium auch entfernten Nationen.So mußten die allerersten, persönlichen Feinde Jesu Christi selbstzur Verbreitung einer bessern Religion beitragen, indem sie die-selbe zu vernichten gedachten.
Die Jünger Jesu, wohin sie in Asien und Europa kamen,fanden überall empfängliche Gemüther für ihre Lehren, und inallen vorzüglichen Städten der Welt, ja in der großen Stadtselbst, welche damals über den ganzen bekannten Erdkreis durchWaffen und Gesetze herrschte, in Rom selbst, bildete sich zwischenden prachtvollen Tempeln heidnischer Gottheiten eine kleine christ-liche Gemeinde.