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ihre Kirche; sie hatten keine goldenen Altäre, aber ihre Herzenwaren reiner als Gold. Der Reiche theilte sein Brod mit demArmen, der Arme diente freudig dem Reichen als ein Bruder.In ihren Zusammenkünften sah man keinen Wetteifer vonSchmuck und Kostbarkeiten, keinen Stolz des Ranges und derGeburt, sondern die zärtliche Liebe und die Gleichheit der Ge-schwister, die sich einander zum Guten ermahnten, und in derNoch trösteten. So oft sie zusammenkamen, feierten sie dasAndenken ihres göttlichen Stifters; die Wohlhabenden ließenSpeisen und Wein herbeibringen; man hielt gemeinschaftlicheGasimähler zur Erquickung der Bedürftigen, und gab sich nachsolchen Liebesmählern den Kuß treuer Freundschaft.
So fest zusammenhaltend erkannte man die ersten Christennur an ihrer Frömmigkeit. Sie waren die treuesten Brüder, diebesten Bürger, die gehorsamsten Unterthanen, die fleißigstenArbeiter. Sie lebten nicht für sich, sie lebten für die Andern. IhreLehrer selbst, die ersten Jünger Jesu, waren Diener Aller.
Anfangs wurde die Lehre Jesu nur den in Jerusalem woh-nenden Juden mitgetheilt; bald aber auch den Heiden, welchebisher an vielerlei Gottheiten geglaubt hatten. Aber Juden undHeiden, sobald sie sich zum Christenthum gewandt hatten, warenvon dem Augenblick an gleichsam eine Seele, hatten nur eineLiebe, einen Glauben, eine Hoffnung.
Aber dieser erhabene Eifer, diese Begeisterung, dieser männ-liche Sinn der ersten Christen gehörte dazu, um die junge Religionunter den frühen Stürmen aufrecht zu erhalten. Es gehörtedazu die unzerstörbare Eintracht, daß sie nicht von einanderließen, daß sie alles Irdische nur als Nebensache behandelten,daß sie keinen der Ihrigen untergehen ließen, sondern ihr Habund Gut ohne Unterschied mit einander gemein hatten. Alle,mit Verachtung der Welt, mit Verachtung dessen, was andereMenschen als höchstes Gut zu verehren gewohnt waren, ohneBegierde nach Reichthum, Würden und Ruhm, ohne Furchtvor Leiden, Unterdrückungen und Schmach, schienen sich sämmt-lich gottbegeisterte Boten des Himmels zu sein, berufen, dasEvangelium zu verkünden.