fand sie gewöhnlich in ihren Häusern verschlossen. Sie hatten seinenWillen gehört, sie wünschten seine Befehle zu vollziehen — aberdie Schreckensnacht in Gethsemane, der Schreckenstag aufGolgatha hatte ihre Kraft gelähmt. Als er vom Grabe auf-erstanden war, da erwachte ihr freudiger Muth, da entflammtesie sein heiliger Geist. Sein Sieg über den Tod ward ihr Siegüber die Schrecken der Welt.
Ich bin ein Christ — ich feiere die Auferstehung des Messias— ich sah die herrlichen Beispiele seiner Jünger — sollte dies allesshne Segen für mich bleiben? Auch ich will mich von meinerSchüchternheit befreien, will die Furcht in mir bekämpfen, willden Muth haben, ein Jünger Jesu zu sein.
Bedarf es in unfern Zeiten dazu großen Muthes? Wie?drohen noch die Schwerter der Juden und Heiden den Bekennerndes christlichen Glaubens? Lodert in unfern Tagen noch derScheiterhaufen für das Geständniß, ein Nachfolger Jesu zu sein?Sehe ich nicht, wohin ich wandere, Altäre und Tempel zur Ver-herrlichung Christi errichtet, oder das Sinnzeichen des Kreuzesaufgepflanzt? Rufen nicht die Diener des Altars, die Gesetze derFürsten, die Stimmen der Obrigkeiten, die Bitten der Aelternzum Bekenntniß Jesu? — Warum sollte ich zittern, ein Christzu sein? Wider welchen Feind habe ich Muth vonnöthen?
Ach, ich erkenne diesen Feind mit Erröthen; denn er, denich bekämpfen soll, bin ich selber.
Nicht Schwert, nicht Flammen schrecken mich von der Jünger-schaft Jesu zurück, sondern meine Trägheit, meine Erschlaffung,meine Vorurtheile. Ich empfinde es wohl, ich könnte edler, dasheißt, christlicher sein, als ich es bin; aber ich habe nicht Muthgenug, manche meiner Lieblingsfehler zu bekriegen, habe nichtMuth genug, oft den Urtheilen der Welt die Spitze zu bieten,habe nicht Enschlossenheit genug, das spöttische Lächeln derWelt zu ertragen. Ich ziehe meine Ruhe den schweren Opfernvor, die ich als ein heiliger Mensch bringen sollte; ich bin zubequem, um in manchen Fällen Selbstverläugnung genug zuhüben, wenn Pflicht mich dazu auffordert; ich habe oft mehrMenschenfurcht, als Gottesfurcht; ich ziehe eS oft vor, den