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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
406
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warum sollte cs nicht möglich sein, daß auch ein solcher seinZiel, das er unablässig verfolgt, endlich erreicht? Warum nichtmöglich, daß er mit seiner geübten Schlauheit Hohe und Niederehintergeht, und ungerechte Schätze sammelt, mit denen ersich alle Wollüste des Lebens verschaffen kann? Warum nichtmöglich, daß er sich den Ruf eines achtungswürdigen Mannesverschafft, während die getäuschte Menge nicht ahnt, wie erim Geheimen ein Verführer und Mörder der. Unschuld, einEhebrecher, ein Verleumder, ein schadenfroher Rachsüchtiger, einBetrüger der Armen, ein Verräther seiner Freunde ist? Warumsollte es nicht möglich sein, daß er endlich lebenssatt auf demRaube, welchen er durch seine Sünden glücklich zusammen-schleppte, den Geist aufgibt, so ruhig, wie der Tiger auf demAase, welches er um seine Höhle her angchäuft? Er lebte alsThier, er starb als Thier. Dies ist der ganze Triumph desGottlosen! Und sollte ich ihn um diesen Triumph beneiden, denmein edlerer Geist verachtet? Ich könnte es nicht. Er hat seinTheil empfangen. Jeder ärntet, wie er gesäet. Sein vielfachgeschmeichelter Leichnam modert im Grabe; wie bald ist einTraum von zwanzig und vierzig Jahren verträumt! Aberdann was ist aus seiner Seele geworden? Welche Schätzesammelte er seinem unsterblichen Wesen für das Unsterbliche?Soll ich den Triumph des Unglückseligen beneiden, der für dieEwigkeit eine erstickte, verdorbene Saat ward, und in demReiche der Geister, zu dem er seinem bessern Theile nach gehört,ein Nichts ist?

Oder sollte ich, weil er in der kurzen Zeit des Lebens seineGelüste durch Bosheit stillte, irre werden an der göttlichen Ge-rechtigkeit, daß sie dem Sünder Alles wohl gelingen ließ?daß ihr strafendes Schwert ihn nicht schon hienieden fand?

Nein, die Rathschlüsse der Gottheit verehre ich, als Christ,auch wenn sie mir dunkel sind. Wie kann das unmündige,unerfahrne Kind, welches noch der Erfahrung und des Unter-richts bedarf, die weisen Maßregeln der Aeltern beurtheilen, diezuweilen nicht ohne Grund die Vergehen des bösen Kindes un-gestraft lassen?