das Ewige erhaben ist über das Vergängliche, und wie die Gott-heit über, den Staub.
Wenn nun der Christ vermöge seiner Tugend nicht nach denrFlittergold irdischer Vorzüge, sondern nach Veredlung undVerherrlichung seines zur Unsterblichkeit gebornen Geistes ringt:warum klaget ihr denn, daß er jene Paläste, jene Ehren, jeneReichthümer nicht besitzt, die ihr nicht begehret? Wo ist denn dieUngerechtigkeit des Himmels gegen ihn, über die ihr erstaunet,da er — wie einst der Göttliche selbst — verkannt, verhöhnt,arm, verfolgt, ja dem Tode preisgegeben wird? Was ihrLeiden nennt, sind ja nicht die Leiden seines Geistes, sondernEntbehrungen seines irdischen Körpers, der als ein fremderStoff nur für wenige Zeit mit der unsterblichen Seele in einigerVerwandtschaft steht.
Worauf gründet sich denn der Triumph der Tugend? Indem zweideutigen Lobe des unwissenden großen Haufens derMenschen? In den Vorzügen, welche die bürgerliche Gesell-schaft ihren Mitgliedern gibt? In den Goldstücken, welcheunser Eigenthum auf Erden für ein paar Jahre sind ? In denKleidern, welche seltener sind, als die Kleider der Menge? —Mit nichten. Die Seele als Seele weiß von diesem Zielenichts. Wer nur nach solchen Gütern dürstet, hat die Ewigkeitaus dem Blick verloren, und ist aus dem Kreise der unsterb-lichen Wesen in das Gebiet der Thiere eingetreten, welche fürihres Leibes Wohlsein athmen, und nichts Erhabeneres, Herr-licheres kennen.
Worauf gründet sich der Triumph der Tugend? Daß siehienieden in ihrer ganzen Größe von den Sterblichen anerkanntwerde? — Nein, diejenige Tugend ist die gottähnlichste undgrößte, welche gleich der Gottheit im Verborgenen wirkt. IhrThriumph ist, das Ziel ihrer Bestimmung, die möglichste innereKraft erreicht zu haben, durch welche sie höherer Glückseligkeitim Reiche der göttlichen Schöpfung fähig werden kann. Die
Ewigkeit bleibt ihre Hoffnung, ihre Palme!-O wer da
weint, daß seine Tugend nicht belohnt ward durch irdisches Glück,der kennt die Tugend noch nicht; der war nicht tugendhaft; der