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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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haben: es gibt ein Etwas in ihm, das sich nicht verstellen kann;dies ist der Ernst des Gewissens. Er lächle immerhin: ausseinem Geiste spricht noch ein anderer Geist und macht seinenBlick zweideutig. Er schwöre immerhin: das Gewissen gibtunmerklich seiner Stimme, seinem Ton eine Eigenheit, die dasFalsche darin hervorstechen läßt. Wenn dich endlich Niemandverrathen mag, sei gewiß, du wirst unwillkürlich an dir selbstzum Verräther.

Daher kommt es, daß man dein Lächeln und Schönthunscheut, und auf deine Worte ungern baut; daher, daß dir imHerzen Niemand weiter traut, als man dich mit Augen sieht;daher, daß die meisten Menschen vor dir in einer gewissen Zurück-gezogenheit stehen und dich und deine Wege gern beobachten. Unddie erste, die kleinste zweideutige Handlung, auf der du ertapptwirst, ist groß genug, dir das Zutrauen deiner Bekannten undNachbarn auf lange Zeit, vielleicht auf immer, zu rauben.

Siehe, das ist die Frucht deiner Feinheit, deiner vermein-ten Lebensklugheit, daß du einsam durchs Leben gehst in deinerDoppelgestalt, und kein reines, gutes Herz sich innig an dasdeinige schließen will. Du wandelst ohne Freund! Dein Reich-thum kann dir Schmeichler anlocken, die dich täuschen, wie duAndere täuschest; deine Kenntnisse und Geschicklichkeiten könnendir Achtung und Gönner gewinnen; deine Ehrenstellen könnendir äußerliche Ehrerbietigkeitsbezeugungen verschaffen, währendman dich im Herzen verachtet aber innige, treue Liebe deinerMitbürger, festes Vertrauen deiner Bekannten, gänzliche argloseHingebung eines Herzens an das deinige, hoffe nicht mehr. Duhast dich selbst verurtheilt, ohne Freund zu sein.

Oder was soll man an dir lieben, du, der du nicht bist,was du scheinst? Dein Selbst? Wahrlich, was du Ursache hastzu verbergen, kann nicht liebenswürdig sein, und was du zeigestim Umgang und öffentlich, das bist du nicht selbst, sondern isteine entlehnte Maske. Versuche es, wirf sie ab und erscheineder Welt in deiner niedrigen Denkart, die du so schlau zu ver-" bergen bemüht bist, und höre die Richterstimme der Welt überdich ! Aber die Richterstimme Gottes wirst du hören. Du hast