dieser Anstrengungen, Aufopferungen und Selbstbeobachtungenhättest du edel, tugendhaft, geachtet und glücklich sein können!Wo ist deine Klugheit, an der du so großes Wohlgefallen hast?Verdient sie nicht den Namen der größten und für dich verdrieß-lichsten Thorheit?
Was der Mensch auch thue, und so fein er es auch anstelle,seine schlechten Gesinnungen den Leuten hinter einer schönen Larveder Unschuld, Redlichkeit, Güte zu verbergen: er kann es nichtVerhindern, daß er nicht bald hie, bald dort, mit seiner Zwei-züngigkeit, mit seiner Prahlsucht, mit seiner vorgeblichen Tugend,mit seinem angenommenen Schein in Verlegenheit komme. Undein einziger Augenblick der Angst und Beschämung, ist er dennder Kunst und Arbeit vieler Tage werth? Er kann es nicht ver-hindern, daß nicht bald heute, bald morgen die Furcht sein Herzbeschleiche, entdeckt, entlarvt zu werden ; denn er kann es sichnicht verhehlen, daß er nicht Meister ist über die Verhängnisse,welche wir Zufälle heißen. Er weiß es, die Nacht verhehlt keinGeheimniß, und verräth das unter ihrem Schutz begangene Ver-brechen dem Sonnenlichte. Er weiß cs, der Strom speit denLeichnam des Ermordeten wieder ans Ufer aus, daß ihn dieMenschen sehen; und die Hand eines Kindes reißt das Siegelvon tiefverborgenen Sachen, von denen der Witz des Richtersnichts geahnt hatte. Wie, ist denn diese Unruhe ein Glück, diesebange Besorgniß eine Seligkeit, der wir einen guten Theilunserer Lcbcnsstunden und Lebensfreuden hinwerfen sollen zumOpfer? — Du willst edel und gut scheinen; warum willst du esnicht lieber sein? Du fühlst es, man kann nicht zwei Herrendienen, nicht dem Himmel und der Hölle zugleich: warum zitterstDu, das bessere Theil zu wählen?
Die Frucht der Gleißnerei ist ein freudenloses Leben, undwas durch sie gewonnen wird, ist doch nur ein unverdienterRaub, wie Alles, was durch Betrug erbeutet wird. Aber dasDetrübteste für den Glcißner ist, daß er nicht das hohe Glückgenießt, das nur dem Wahrhaften zu Theil wird, dem man vonHerzen vertrauen kann — das Glück der Freundschaft. Er mages in der Kunst der Artigkeit und Verstellung noch so weit gebracht