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sie schon gehört. Sie ertönte dir in der Stimme deines Ge-wissens , wenn sie bei manchen deiner Handlungen sprach: dasist unrecht! das ist schlecht! das ist ehrlos!
Wer sollte dich lieben, dich ehren, Heuchler, wenn du plötz-lich dastehen würdest in deiner ganzen Verworfenheit? wennman dich erblickte, wie du auf ungerechten Wegen dir fremdesGut zueignest; wie du, Ehrsüchtiger, von deiner Leidenschaftgeblendet, neidisch den Ruhm anderer schmälerst, und aufSchleichpfaden um die Gunst derer buhlst, die du nicht durchdeine wahren Verdienste für dich gewinnen kannst; wie du,Wollüstling, im Geheimen Unzucht treibst und «ach Verführunglechzest; wie du, Rachsüchtiger, mit feiger Hinterlist deinenNebenmenschen ein Verderben bereitest, das früher oder späterwieder dein eigenes werden muß; wie du, Geiziger, gern betestnnd fastest, Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit predigest, aber mitAnstand Wittwen uud Waisen zu bedrängen dich nicht schämst;wie du, Stolzer, gern prahlest und glänzest, während es dir amNothdürftigen gebricht, und du dich, auch vielleicht die Deinigen,durch deine Eitelkeit in Armuth stürzest! Wer könnte dich lieben;wer dir vertrauen?
Das ist aber im menschlichen Leben ein gewöhnlicher Fall,daß man denjenigen, der irgend einmal als Heuchler im zwei-deutigen Lichte erschien, noch für weit schlimmer hält, als erwirklich ist. Er leidet also doppelte Strafe. Man vertraut ihmauch dann nicht, wenn er Glauben verdient; man hält auch die-jenigen Eigenschaften, die wirklich lobenswürdig wären, an ihmnicht für ächt, sondern für erkünstelt, weil man nicht weiß, wieweit sich seine Kunst erstreckt, Andere zu blenden. Man ver-muthet auch da von ihm Hinterlist und böse Absicht, wo er esmit vollem Ernst redlich meinen möchte, und schiebt seinen ausvoller Ueberzeugung des Guten geschehenen Handlungen irgendeinen unlauter» Zweck unter.
So ist des Heuchlers Loos, so sein Leben! Er hofft mitKlugheit Alles zu überwinden; aber die Welt und die Umständesind wahrlich mächtiger als er, und übermannen ihn. Er istzuletzt der am schlimmsten Betrogene, und erst aus den bittern