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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Daher soll es uns nicht wundern, daß so Viele über die LeideirDes Lebens klagen, daß so Wenige mit der Welt zufrieden und insich selbst wahrhaft glücklich sind! Die Unglücklichen, sie heuchelnLen Schein der Gesundheit, während sie sich im Stillen mit ihrenLastern vergiften, und zuletzt elend unterliegen. Wahrlich, diemeisten von denen, welche das Leben anklagen, klagen sich nurselbst an ein geheimer Wurm nagt an ihrem Herzen siesind nicht, was sie scheinen sie sind nicht, was sie nach Jesu,des Menschenbeseligers, erhabener Lehre sein sollen aber siescheuen sich, dies zu bekennen, aus Furcht, verachtet zu werdenund hintennach nicht einmal Mitleid zu finden.

Warum üben sich die meisten Menschen in der sogenanntenKunst der Verstellung? Aus Klugheit. Aber welche Klug-heit ist es, sich selbst das Leben zu verbittern? Welche Klugheit,ist es, Flecken der Seele zu beschönigen, statt zu vertilgen; Eiter-beulen am Leibe zu ummänteln, statt zu heilen? Welche Klugheitist es, so schlecht zu sein, daß man sich, ohne zu zittern, nichtin seiner Wahrheit zeigen darf, und gezwungen ist, durch seinganzes Dasein bis zum Grabe immer ein Anderer zu scheinen,als der man wirklich ist? Der Heuchler, auch wenn er nichrvon der bösesten Art ist, gleicht allezeit einem Mörder, der sichflüchtig hinter Gebüsche versteckt, um nicht verrathen zu werden.Welchen elenden Genuß hat er von seiner elenden Rolle, die erspielt? Den einzigen Triumph, daß er für einige Monate oderJahre einige gutmüthige Leute überlisten kann. Ist dies zuletztder Mühe werth, daß er sich damit manche Stunde von Sorgermd Verlegenheit erkauft, daß er sich der Gefahr preisgibt,ganz unvermuthet einmal entlarvt und beschämt dazustehen?Wohin ist alsdann sein Triumph über die Betrogenen undGetäuschten? Sie wenden sich mit öffentlicher Verachtung vonihm ab; er aber behält den Dorn im Gewissen.

Was ist das Leben des Heuchlers? Ein lebenslänglicherWiderspruch mit sich selbst. Er ist ein Schauspieler, den mar<öffentlich nie in seiner wahren Gestalt und Denkart, sondern ineiner künstlich angenommenen Rolle das verstellen sieht, was ernicht ist; eine falsche Münze, in sich ohne WerH, die durch