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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
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Worten und Thaten, und daß sic in Allem den todten Scheinvermeiden sollten. Daher bat Johannes seine Freunde so innigund rührend: Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Wor-ten, noch mit der Zunge, sondern mit der That und mit derWahrheit. (1. Joh. 3, 18.)

Das große Uebel der allgemeinen Gleißnerei und Verstellungs-kunst unter den Menschen ist vorzüglich daher entstanden, daßman die Menschen von Jugend an gewöhnt hatte, die Klugheithöher als die Tugend zu schätzen. So wird der Mensch mehrschlau und listig, als tugendhaft. So findet er endlich in seinervielgeübten Klugheit Hilfsmittel, thierischen Sinn, lasterhafteBegierden mit dem Scheine des Anständigen und Rechtlichen zuverbinden; im Verborgenen wie ein eigennütziger Bösewicht zuschwelgen, und öffentlich wie ein Edler zu sprechen und zu han-deln ; Andere zu täuschen wie sich selbst.

Es fehlt den Sterblichen nicht an Liebe und Hochachtung derTugend der größte aller Verbrecher ehrt sie; es gehört einWahnsinn dazu, das, was vollkommen ist, zu hassen, aber esfehlt den Sterblichen an Muth, sich selbst, ihre thierischen Eingebun-gen, ihre Leidenschaften, welche die Sinne kitzeln, zu überwinden,um tugendhaft zu sein. Daher sind sie böse, schwach, fehlerhaft;und doch wollen sie nicht auf die öffentliche Hochachtung Verzichtthun, die dem edeln und guten Menschen gezollt zu werden pflegt.Sie hüllen sich in den Mantel der Demuth, um desto sicherer ihrenstolzen Ehrgeiz zu verbergen; sie hüllen sich in den Schleier derUnschuld und Reinigkeit, aber umarmen die Feindin derselben,die Wollust. Sie heulen über die Hartherzigkeit der Menschen,aber sie leihen wuchernd ihr Geld auf schwere Zinse, und wo eingemeinnütziges Werk zu thun ist, stehen sie bescheiden von fern,und entziehen sich, wenn sie es irgend mit Anstand können.

So gewöhnen sie sich, in ihrer niedrigen Denkart zuletzt ver-loren und verhärtet, mit dem Schein Vorlieb zu nehmen, undim Stillen dasjenige zu denken und zu thun, was ihren Lüstenam meisten entspricht. Sie werden Heuchler und Gleißner, über-tünchte Gräber, wie Jesus sie nennt, der erhabene Menschen-kenner. (Matth. 23, 27.)