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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
383
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Gottes erwirbt, der hat die wahre Religion." Das ist dieMeinung vieler frommen Leute. Sie ringen also durch Gebet>durch äußere und innere Verehrung Gottes, durch reine Liebe zuder Person Jesu nach dem höchsten Heil. Aber diese Frömmig-keit hat oft auf ihre Handlungen im gemeinen Leben wenig Ein-fluß. Die Welt glauben sie als Welt behandeln zu dürfen, undwenn sie in ihrer Einbildung nur der Gegenliebe Jesu versichertzu sein glauben, äußerlich den eingeführten Uebungcn und Landes-gesetzen gemäß handeln, meinen sie, daß sie genug gethan haben.Eigennutz, Ehrgeiz, Haß, Verleumdung, Neid kann in ihremHerzen wohnen; aber sie versprechen sich Alles von dem Ver-dienste Jesu, oder von der Fürbitte der Heiligen. Selbst vonden heiligen Lehrstühlen wird nicht selten dieser traurige Jrrthumverkündet. Man ermahnt mehr zum Glauben und Beten, alszum christlichen Thun. Man hält es kaum der Mühe werth, vonder Tugend zu reden, als wenn sie eine weltliche Sache wäre;verwechselt die Tugend, diesen eigentlichen Jesussinn, mit deräußern Sittlichkeit; und warnt vor Sünden und Lastern eifrig,ohne aber dem Volke das Wesen der einzelnen Sünden, vordenen man sich zu hüten habe, zu erklären, noch die Tugend unddie Verirrungen von derselben belehrend darzustcllen.

Und doch sind dies die Hauptgegenstände von Jesu öffent-lichen Lehren gewesen; und in den Briefen seiner Jünger, sobaldsie darin Jrrthümcr der ersten Christen in Glaubenssachenberichtigt hatten, kehrten sie auf die Lehren von der Tugendzurück. Jesus selbst erklärte den Glauben ohne tugendhafteHandlungen für eitel; sagte laut: Nicht Alle, die zu mir Herr,Herr! sagen, werden in mein Reich eingehen; an ihren Früchtensollt ihr sie erkennen; was ihr gethan habt, aus Liebe zumir gethan habt dem Geringsten, das habt ihr mir gethan, dieswird am Tage des Gerichts Vergeltung finden. Seid Thäterdes Worts, nicht Hörer allein! Der Glaube, wenn ernicht Werke hat, sprach Jesu Jünger, ist todt an ihmselber! (Joh. 2, 17.)

Noch Andere gibt es, welche das Wesen der Tugend wenigerin dem Sinn, als in der äußern Handlung derselben suchen, und