kommen ist!" Und doch ermahnt uns unser eigenes Bewußt-sein an Erhaltung unscrs innern Werthes! — Alle die heiligenStimmen, sollten sie sich vereinen, von uns das Unmögliche zubegehren ?
Viele Sterbliche freilich, die von ihrer Sinnlichkeit allzusehrbefangen sind, so daß ihnen eine höhere Tugend unbequem undlästig dünkt, finden auch schon unmöglich, das Leichtere aus-zuführen, was Andere lhun. Diese Weichlinge, die nur für Gutund Geld, für ihre Ehre und Würde, für das bloße Anständige inden Gesellschaften leben, und die alle Anstrengungen zum Bessernmeiden, wollen nur die Rechtfertiger ihrer Schwachheit sein.Allein auf ihr Urtheil hört der Weise nicht; denn ihr eigenesGewissen verwirft die Scheingründe, womit sie dasselbe stillenmöchten.
Dein Joch ist ja sanft, o Erlöser der Welt, o Licht allerGeister, und Deine Last ist leicht! — Warum sollte ich daranverzagen, jemals, als Dein Jünger, auch Dein Ebenbild zuwerden? Warum verzagen, daß die ElÄschlüffe zum Guten,welche in mir rege werden, niemals von mir gehalten werdenkönnen? Und wenn ich auch zuweilen, hingerissen durch Jrr-thum , mich von dem rechten Wege verliere, und wenn ich auch,bewogen durch die mir inwohnende Schwäche, zuweilen sinke —bist Du, Barmherz-iger, nicht auch mein Erbarmer? Auch derGerechte kann fehlen, aber dann fehlt er wider seinen Willen.Auch der Gerechteste und Edelste ist nicht von Jrrthum undUebereilung frei; aber dann erhebt er sich nach dem Falle destokräftiger, desto entschlossener, nie wieder zu straucheln. Dannist er desto eifriger beschäftigt, seine Fehlthat mit Handlungen derLiebe und Güte zu bedecken, und sein augenblickliches Vergehenmit einer langen Reihe von Tugenden auszusöhnen.
O du Geist der Heiligkeit, erleuchte auch meinen Geist, daßich den wahren Weg des Christen erkenne; und gib mir Muthund Kraft, ihn mitten im Drange des wirklichen Lebens gott-selig zu wandeln, bis ich mein Ziel erreiche! Amen.