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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
371
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tugendhaft? Der Mensch, welcher sich in die Einsamkeit zurück-zieht, um zu beten und seine Leidenschaften zu vernichten, währendAndere für ihn sorgen und arbeiten sollen: ist er nicht ein sehrunnützes Glied in der Gesellschaft der Menschen? Ist er nichtDer Knecht im Evangelium, der, wie Jesus sagte, sein Pfundvergrub, statt damit neuen Segen zu gewinnen? Und wennendlich in solcher unnatürlichen Enthaltsamkeit und Selbsttödtungdie Gesundheit des Leibes nicht ganz verwüstet wird: bleiben auchnicht dann noch viele andere Begierden und Leidenschaften wach,wogegen kein Gebet, kein Fasten fruchtet? Verleitet ein solcherunnatürlicher Zustand nicht oft zu unnatürlichen und viel vcr-Orccherischern Ausschweifungen?

Als der ewige Schöpfer den Menschen ins Leben rief,sprach er:Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. ImSchweiße seines Angesichtes soll er sein Brod essen." DieOrdnungen der Schöpfung, die Zwecke der göttlichen Welt-^ Einrichtungen ändern wollen: kann dies die Absicht des ewigenSohnes und seiner Lehre gewesen sein?

Nimmermehr! Wir sind geschaffen, für einander undDarum mit einander zu leben. Wir sind geschaffen mitKräften und Einsichten verschiedener Art, daß wir uns aufmancherlei Weise unter einander dienen. Nicht Jesus, dergöttliche Welterleuchter, nicht seine Jünger, nicht die ChristenDer ersten Jahrhunderte flüchteten aus dem Gedränge der Welt inSie Einöde, sondern kräftig traten sie hinaus in das Leben, undsuchten das heilige Gottesreich zu verbreiten, jeder im Verhältnisseseiner Anlagen, seines Vermögens, seines Wirkungskreises.

Die Zweifel vieler Menschen an der Möglichkeit, einen hohenGrad religiöser Vollkommenheit zu erreichen in dieser Welt, ent-springen also offenbar aus einer irrigen Ansicht der Dinge, undoft konnten gefaßte gute Vorsätze nachher im Leben nicht aus-führbar sein, weil sie entweder nur Folge lebhafter und darumVorübergehender Gemüthsbewegungen waren, oder durch ihreBeschaffenheit gegen die menschliche Natur stritten.

Und doch rief uns Gott zur Heiligkeit! Und doch rief Jesus rIhr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel voll-