Heiligung unsers Gemüthes, nicht von der Vereinigung mirGott.
Aber der leichtsinnige Sterbliche ist gleich dem Kinde, welches^vom Vater getrennt, nun dahin geht, sich in seine Arme zuwerfen, und die innige Sehnsucht zu stillen. Es verwundetunvorsichtig seinen Fuß an manchen Dornen auf dem Wegezum Vater, und weint und verliert mit unnützen Wehklageneine köstliche Zeit. Es sieht links und rechts Blumen blühen;es verweilt bei denselben, es will an keiner vorübergehen,sondern alle pflücken, so viel ihrer am Pfade stehen. Es folgtihnen zu weit, und verliert den Weg und das Ziel der ganzenNeise, oder es behält noch den Weg, aber verliert die Zeit»Der Tag neigt sich zum Ende; es hat den Weg kaum halbzurückgelegt, und bleibt zuletzt in dem Schauer der Nacht liegen,entkräftet und reuig, und sieht den Vater nicht.
Eine nicht minder gefährliche Klippe der Standhaftigkeit imGuten ist unser allzuängstliches Aufmerken auf daLUrrheil, welches die Menschen über uns fällenkönnten. Wir würden, nach unfern Ueberzeugungen undGrundsätzen, öfters nach dem göttlichen Sinn Jesu handeln,wenn wir nicht fürchteten, von unfern Bekannten falsch ver-standen, übel gedeutet zu werden. Ja, es liegt in der Naturunserer Eigenliebe, daß uns nicht so sehr der Zorn und der Haßder Menschen ron Ausübung unserer Pflicht, von der Voll-bringung einer edeln That zurückschreckt, als vielmehr dieGefahr— lächerlich zu werden, das heißt, den Spott derWitzlinge zu erregen. Aber dessen Tugend ist keine Tugend fürGott und Ewigkeit, welche schon aus Furcht vor einem witzigenEinfall eines Spötters stirbt; und der hat Gott noch nie inniggeliebt, der Pflicht und Gewissen verdrängt, um die Neckereieneiniger Thoren zu vermeiden. Wer Jesum lieb hat, wer seinJünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich, und folge ihmnach! Nur wer bis an das Ende beharret, sprichtJesus, der wird selig. (Matth. 10, 22.)
Oft ist eigene Mutlosigkeit, Mangel des Vertrauensauf uns selber, die Hauplursache unserer Abtrünnigkeit von