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man es zulaßt, daß sie ausweicht, was ihr Beschwerlichkeit ver-ursachen könnte, daß sie unterläßt, was zu große Selbst»Überwindung, zu saure Opfer fordert; daß man ihr allesGute und Nützliche nur spielend beibringen, es sie nur mitBequemlichkeit verrichten lassen will.
Das isi's, o Vater, o Mutter, was dem Herzen dieangeborne Kraft raubt, was den Geist erschlafft, was dasGemüth vergiftet! Umsonst erwecket ihr in ihnen bei feierlichenAnlässen fromme Ruhrungen. Diese Rührungen verschwinden;nichts ist, das festhält. Umsonst wollet ihr durch Ermahnungund Lehre in ihr Gemüth edeln Sinn pflanzxn; ihr pflanzetauf zu leichten, beweglichen Grund, wo nichts tiefe, dauerndeWurzel faßt. Der erste Sturm der Leidenschaft, die ersteStunde der Verführung weht den Samen des Guten wiederhinweg, wie leichte Spreu. Umsonst klaget ihr in später»Jahren den Leichtsinn, die Selbstsüchtigkcit eurer Kinder an —nein, klaget euch an, die ihr durch unbcdachtsame, allzuweitgetriebene Zärtlichkeit ihnen die Kunst genommen habt, festeGrundsätze zu fassen.
Eine andere Quelle der Unbeständigkeit im tugendhaftenStreben ist jener Leichtsinn, jene Selbstvergessenheit beiden Annehmlichkelten des Lebens, welche allenMenschen so natürlich ist. Schwere Verhängnisse undLeiden sind der Tugend bei weitem nicht so gefährlich, alsfteuoige Umstande, die unsere Lieblingownnsche begünstigen.^Sind wir glücklich, so glauben wir Alles durch uns selbst zuvermögen; im Trübsal aber, oder wenn wir Manches, wasuns lieb war, verloren, werden wir religiös, theils um unseinen Werth zu geben, der uns nie geraubt werden kann, theilsum eins zu trösten.
Wohl gewähren Freundschaft, Liebe und Glücksgüter unsfrohe Stunden. Sie verachten, hieße der Anmuth des irdischenLebens entsagen, die Gottes Güte den Sterblichen als Gegen-gewicht für manches zu unserer Veredlung nothwendige irdischeUebel gab. Allem diese fluchtigen Genüsse sollen uns nicht vonunserer hoher» Bestimmung abwendig machen; nicht von der