treiben ihre Wollüste; freuen sich, von ihren Bekannten dasBöse auszubreiten; verleumden, saufen, schwelgen — sind dasEegentheil von Allem, was Christus war, und nennen sich dennockChristen!
Und was von Allem das Unglaublichste ist: sie wissen sehrgut, daß ihre Thaten ungerecht sind; aber sie lassen nicht vonihnen ab, weil sie sich bereden, nur der Glaube mache selig,die That sei Nebensache! Sie stützen sich auf die einseitigen, oftauch sehr mißverstandenen Religionsvorträge ihrer Geistlichen,von denen sie hören: nicht durch sein eigenes Verdienst werdeder Mensch gerecht, sondern nur durch Christi Verdienst, durchJesu Tod und Wunden; man könne leben, wie man wolle:wer einmal von Gott zur Seligkeit auserwählt sei, der bleibeauserwählt; man könne leben, wie man wolle: das Blut Jesuwasche uns von allen Sünden rein; die Heiligen seien unsereFürsprecher bei dem Allergerechtesten!
Welche Lästerungen Gottes, welche Lästerungen Jesu! O wiegroße Behutsamkeit ist dem Religionslehrer in seinen Predigtennothwendig, daß er nicht mit seinen Worten, statt im Weinbergedes Herrn zu arbeiten, Unkraut säe, und statt Seelen zur Ver-einigung mit Gott zu führen, die Religion nicht zum Fußschemelder Sünde mache!
Noch Andere sind, und ihre Zahl ist nicht klein, welche dieTugend und ihren göttlichen Werth kennen; welche, von heiligenRuhrungen zuweilen ergriffen, zu heiligerm Leben entschlossenwaren; welche das Nichtige alles dessen kennen, was das LebenAnmulhiges geben kann, und überzeugt sind, daß nur derTugendhafteste, der Christ allein der glückseligste Sterblichesei, es gehe ihm, wie ihm wolle. Aber dennoch bleiben dieseBesserwissenden ihren alten Thorheiten, ihren Temperaments-fehlcrn, ihrer Selbstsucht treu. Aus Gewohnheit und Leichtsinnist ihr ganzes Lebenswerk ein verächtliches Schwanken zwischenHimmel und Hölle, zwischen Tugend und Laster. Sie gehörenzu denen, wo der Geist oft willig, bas Fleisch aber schwach ist;deren edeln Vorsätzen vom Morgen die Schamröthe des Abends-