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gerathen, und die Menschen uns entweder für Unwürdige, oderfür Herzlose, oder für Heuchler halten müssen?
Schon das Wesen der Vernunft gebietet es, daß man folge-recht handle, daß man sich durch seine Thaten nicht in seinenausdrücklich erklärten Ansichten und Urtheilen widerspreche, daßman jederzeit mit sich selber übereinstimmend sei. — Wer aberkann gleichförmig in Denkart, Wort und Werk sein, als derAnhänger und Bekenner der weisesten und heiligsten Lehre, derwahre Christ? Was vor Jahrtausenden Tugend war, ist esnoch heute; was vor Jahrtausenden Recht und Pflicht war, istes noch heute. Und das Wohlwollen gegen Jedermann, dieseLiebe des Menschen, welche Jesus zur Grundlage alles unsersThuns macht, sichert uns, daß, wenn wir von ihr nicht weichen.Durch alle unsere Worte und Werke eine feste Gleichförmigkeitherrschen werde. Bleibe dem getreu, was du einmalmit voller Ueberzeugung für gut erkannt hast, undlaß dich von demselben nicht abwendig machen, weder durch Um-stände noch eigensüchtige Begierden, weder durch Hoffnung nochFurcht. Und selbst wenn diese deine Festigkeit dir hier einen 'Augenblick äußern Nachtheil bringen sollte: dieser Nachtheil wirdgewiß aufgehoben werden durch die Hochachtung, welche manDeinem heldenmüthigen Verhalten nie versagen wird.
In der Lehre Jesu ist Alles Harmonie, das kleinste mit demgrößten Gebot in voller Zusammenstimmung. Die Lehre Jesu ist eineinziger Einklang mit dem göttlichen Willen, mit unserer eigenenVernunft, mit den Gesetzen der gesummten Natur. Indem du,was dein göttlicher Lehrer fordert, mit Strenge erfüllst, setzest duDich selbst in die vollkommenste Uebereinstimmung mit Gott, mitder Natur, mit dem Glück der dich umgebenden Menschheit,mit dir selbst. — Nur der Fromme ist stark; der Lasterhafte einwankelmüthiger Schwächling, der seiner bessern Ueberzeugungtreulos ist. Nur der eine feste, standhafte Gemüthsart hat, kanntugendhaft sein; nur der Unbeständige, Wankelmüthige ist zuallen Lastern geeignet und zu allem inncrn Elend reif.
Sei, was du bist, ein vernünftiges Wesen: so wrrstdu deine unabänderlichen Grundsätze niemals um einen nichtigen