Vortheil, die Würde deines Geistes und Herzens nie um eineMinute der gereizten Leidenschaft verkaufen mögen. Sei, wasdu sein willst, ein Christ, so wirst du niemals mit deinenWorten und Werken Jesum verrathen, während du ihn mitdeinen Gedanken anbetest?
Die Männlichkeit und Stärke der Denkart äußert sich inder Festigkeit derselben, welche sich nicht durch ver-änderliche Umstände erschüttern läßt. Es gibt "seineTugend ohne Heldenmuth, keinen Heldenmuth ohne Wachsamkeitüber sich selbst. Denn die gefährlichsten Klippen unserer Stand-haftigkeit in Grundsätzen liegen weniger in den Außendingendes Lebens, als in unserm'Innern. Leichtsinn, Eitelkeit,Leichtgläubigkeit, Stolz, Eigennutz, Verzärtelung des Leibes,Gemächlichkeit, Menschenfurcht, — dies, nicht die äußernUmstände, sind unsere Feinde, die uns zu Verräthern undErniedrigern unserer eigenen Würde machen.
So rühmlich inzwischen Festigkeit des Karakters ist in dem,was muthig, groß, gut und edel heißt: so fehlerhaft ist eineähnliche Festigkeit in unbedeutenden oder ungerechten Dingen.Sie ist hier nicht Festigkeit des Geistes, sondern der Leiden-schaft, der Verdorbenheit des Gemüths, der thierischen Neigung,welche das Uebergewicht über alle Vernunft gewonnen hat.
In unwichtigen Angelegenheiten und ohnewichtige Ursachen bei seinem einmal ausgesprochenenWillen bleiben, heißt nicht Karakterfestigkeit, sondern unnützer,beleidigender, liebloser Eigensinn. In einer schlechten, ehr-und gewissenlosen Denkungsart beharrlich bleiben, trotz allenWarnungen und Strafen, heißt Halsstarrigkeit. Es zeugtder Eigensinn von Mangel an Verstand, die Halsstarrigkeitvon Mangel an Rechtlichkcitsgefühl. Beide, weit entfernt, dieStärke des Gemüths zu beurkunden, verrathen die Schwächedesselben, da es der Gewalt einer niedrigen, thierischen Leiden-schaft unterliegen muß, welche die Vernunft, doch vergebens,mißbilligt.
Wachet, stehet im Glauben, seid männlich undstark! ruft die Gottesstimme aus der heiligen Schrift. Wer