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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Aber die Sinnlichkeit trat leise hervor. Frei und mit Willkürstand der Mensch zwischen dem Reiz. der Sinne und der Geistes-gesetzgebung. Er versuchte, auch was ihm die Stimme Gottesuntersagt, seine eigene Einsicht gemißbilligt hatte. Er fiel. Soentsprang die Sünde.

Und mit der Vermehrung des Menschengeschlechts verniehrtensich die äußern Bedürfnisse. Das Nachdenken vom Göttlichenlenkte sich ans das Irdische. Leidenschaften entsprangen aus denvielen neu erfundenen Verhältnissen. Immer wichtiger ward demMenschen die Pflege seines Körpers, das Vergnügen der Sinne.Er verlor immer mehr von der alten, angestammten Majestätund Reinheit des Gemüths. Er verirrte sich durch widernatürlicheBegierden von der Wahrheit der Schöpfung; er entzweite sichmit der Natur, und ward selbst unnatürlich. Er entartete zuletztzu einem Geschöpfe der Kunst, unähnlich dem ersten Ursprung,getrennt von der Natur, getrennt vom Himmel, getrennt von Gott,nur mit dem Irdischen eins und gemein. So allerdings warddie Sünde erblich. Jrrthum, Sünde und Leidenschaften, dieseEntartungen oder Krankheiten der Seele, pflanzten sich fort vonGeschlecht zu Geschlecht, wie sich Krankheiten des Leibes fort-pflanzen, wenn Ackern, Kinder, Enkel und Urenkel in ähnlicherUnnatürlichkeit der Lebensart verharren. Und so ist nun in unsein doppeltes Gesetz, und der Mensch kämpft zwischen beiden.So finde ich in mir nun, wie Paulus sagt, ein Gesetz, der ichwill das Gute thun; denn ich habe Lust an Gottes Gesetz, nachdem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein ander Gesetzin meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinemGemüth, und nimmt mich gefangen in der Sünden Gesetz,welches ist in meinen Gliedern. (Rom. 7, 21 23.)

Ach, wie oft sinkt der Geist hinab in die Gewalt des Irdischen;wie oft verschmäht er die Einfalt der Wahrheit für den Glanzdes Jrrthums; wie oft das ewige Recht für die thierische Anmutheiner Leidenschaft; wie oft die Heiligkeit und Reinheit des Ge-müths für den Beifall und das Ansehen unter sinnlich denkendenMenschen; wie oft das Ewige und Göttliche für das Niedrige,Vergängliche und Gemeine! Ich elender Mensch, seufzte der weiseII. 14