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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
312
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noch heute in der Natur und durch sie offenbart. Der Menschwar eins mit der Natur, und heilig wie sie. Nicht daß er, sichselbst unbewußt, die Wahrheit gedacht und gethan hätte, wienoch heute das Thier den dunkeln Naturtrieben gehorcht: son-dern er erkannte Alles, was ist, wie es ist, uri getrübt durchfremdartige Begriffe und Erfindungen, die erst Folgen spätererwachter Leidenschaften sein können. Und welche verwirrendeBegierden und Leidenschaften hätten in jener Zeit entstehen kön-nen, da noch kein Reichthum locken, keine Ehre reizen konnte,da noch keine verwickelten bürgerlichen Verhältnisse statt fanden,kein Vorurtheil, kein Aberglaube erfunden war? Warum soll ichnicht glauben, daß Gott den Menschen, als er ihn ins Daseinrief, in seiner Art wenigstens eben so vollkommen bildete amGeist, wie das Thier und dessen Geist in seiner Art?

Im Menschen war von der Majestät, Einfalt, Harmonieund Wunderbarkeit der Natur ein Heller Wiedcrklang, dem wiruns heutiges Tages nur durch künstliches Bemühen nähern (durchAbstreifen der von Menschen erfundenen Jrrthümer), und daswar der Urmensch durch sich selbst. Warum soll ich glauben,der Schöpfer habe für seine Ersterschaffenen erst Jrrthümererfunden, statt sie in Einfalt die Dinge erblicken zu lassen mitWahrheit und Klarheit, wie sic sind? Over wie soll ich mir dieSpuren der Einsicht von göttlichen Dingen bei uralt.cn Völkernerklären, die den Lauf der Gestirne kannten, Unsterblichkeit undGottheit, ehe sie noch verstanden, Hütten zu bauen oder Kleider zuweben ? Leset die ältesten Sagen der Morgenlandsvölker: ihr wer-det in ihnen noch die Trümmer der alten Urbegriffe, wenn gleichoft schon mißverstanden, wiederfinden, und ein ehrfurchtvollesHinüberdeuten auf eine heiligere, weisere Menschheit vor ihnen.

So gewiß sich noch heutiges Tages Alles, das Größte undKleinste der göttlichen Schöpfung, in den ewigen Gesetzen desSchöpfers bewegt, wie es zweckmäßig und recht ist: so bewegtesich der gottgeschaffene Mensch ursprünglich in den ewigen Ge-setzen des Wahren und Guten, und gedachte keines Andern, weiles noch nicht erfunden, auch keine Versuchung da war, etwasAnderes zu denken.