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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
307
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aber Gottes Wort erklärt mit Ernst: Gott ist nicht ein Versucherzum Bösen, er versucht Niemand. Sondern ein Jeglicherwird versucht, wenn er von seiner eigenen Lustgereizet und gelocket wird. (Jak. 1, 13. 14.)

Am herrschendsten ward durch das ganze Alterthum aber derGedanke, daß der Mensch ursprünglich in einem vollkommenenZustande gewesen sei, den er hernach durch Entartung und durchUngehorsam gegen Gott verloren habe. Und die Sünde, welcheden Menschen von Gott trennte, sei im ganzen Geschlecht derSterblichen schon durch die Geburt fortgepflanzt und erblichgeworden.

Diese Vorstellungsart war auch zu den Zeiten der ApostelJesu unter den Heiden und Juden noch ziemlich allgemein; dahernahmen die Apostel darauf in ihren Briefen an die christlichenGemeinden große Rücksicht, und gründeten darauf einen neuenBeweisgrund für die Wichtigkeit der neuen von Jesu verkündigtenReligion. Sie zeigten nämlich, daß wie durch Eines MenschenSünde die Verdammniß über alle Menschen gekommen sei, alsosei auch durch Eines Menschen Gerechtigkeit die Rechtfertigungdes Lebens über alle Menschen gekommen, und zwar durch JesumChristum. (Rom. 5, 18.)

Jedoch die mannigfaltigen Vorstellungsarten der Sterblichenüber den Ursprung der Sünde in der Welt, die eine Schöpfungdes Allerheiligsten ist, können auf das Wesen, auf die Wahrheitund Göttlichkeit der Religion Jesu keinen Einfluß haben. Möch-ten daher auch die Menschen in diesen und ähnlichen Dingennoch sehr von einander abweichende Meinungen hegen: JesusErlösungswerk ward darum nicht minder seligmachend.

Erst als nach einigen Jahrhunderten das Christenthum sieg-reich geworden, und das Sinnbild desselben, das Kreuz, weitumher aufgepflanzt war; als die Verfolgungen der BekennerJesu aufgehört hatten, und ihren Nachkommen Sicherheit, Ruhe,Wohlstand und Herrschaft geworden war: entstand mannigfaltiger* Streit über die Mannigfaltigkeit von besondern Vorstellungsarten.Da entstanden Lehre und Sätze über Dinge, die der Mensch beider Beschränkung seiner Einsichten unmöglich ergründen kann;