Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
306
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Rom. 7, 21 23.

Gott, welch' Verderben wohnt in mir!

Wie oft, wie oft mißfall' ich Dir,

Durch wir viel Sünden! Wer erzählt,

Wie oft der Mensch nur täglich fehlt!

Er, dessen Herz Dir, weil er lebt.

Durch sein Verderben widerstrebt!

Er widerstrebt Dir, wenn ihn auchErleuchtet Deines Worts Gebrauch.

Nur, Herr, durch Deines Geistes KraftWird er gerecht und tugendhaft.

Der Geist ist willig, aber, ach,

Durch seiner Sinne Reizung schwach!

Ä)er hat nicht schon wie Paulus klagen müssen: Denn ichthue nicht, das ich will, sondern das ich hasse, dasthue ich! (Rom. 7, 15.) Wer hat nicht, wenn er auf seineHandlungen Acht gab, und wie selten sie mit allen guten Vor-sätzen übereinstimmten, die er genommen, wie Paulus sagenmüssen: So finde ich in mir nur ein Gesetz, der ich will dasGute thun, der ich Lust habe an Gottes Gesetz nach deminwendigen Menschen. Ich sehe aber ein ander Gesetz inmeinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinemGemüthe, und nimmt mich gefangen in der Sünden Gesetz,welches ist in meinen Gliedern. (Röm. 7, 2123.)Schwanken wir nicht unaufhörlich zwischen diesen beiden Ge-setzen? Während unser inwendiger Mensch, der Geist, dasgöttliche Gesetz der Tugend und Heiligkeit ehren muß, handelter, nicht wie er selbst will, sondern wie ihm das Gesetz in seinenGliedern, die Sinnlichkeit, gebietet.

Dieser Widerspruch in der menschlichen Natur beschäftigteschon mehr als einmal das Nachdenken der Christen, um ihn zuerklären. Viele hielten die dem göttlichen Willen widerstreitendenBegierden für Einwirkungen oder Anfechtungen des Satansaber kein anderes Wesen, als Gott selbst, hat Macht überuns. Viele glaubten, Gott führe uns selbst in Versuchung