Ich wende meinen Blick hinweg von diesem Bilde. Warumunternimmt der Sterbliche'döch das Schwerste und Traurigste,warum verschmähet er das Leichteste und Schönste!
Dein Joch, o »nein Jesus, ist sanft, darum will ich es mitFreuden nehmen und mit Dankbarkeit. — Deine Last ist leicht,darum will ich sie mit Entzücken tragen. Du kanntest dieSchwäche des sterblichen Menschen,.darum bürdetest Du ihmnicht mehr auf, als er zu tragen vermochte. Du selbst wardstMensch; Du selbst zeigtest uns in Deinem wunderbar heiligenWandel, wie viel der Mensch vermöge. Triumphirend, und amEnde des großen Lebenskampfes stieg Dein himmlisches Wesenzum Himmel zurück!
Möchte auch dies dereinst mein Theil sein! Ich werde imTode meine irdische, thierische Natur von mir abstreifen; wieeine lästige, unbequeme Hülle, und verklärt und leicht wird meinGeist zu Gott aufsteigen — zu Dir, mein ewiger Vater, zu Dir,der mich durch Jesu Mund zu sich rief, und zu dem empor mirjeden Tag das Schicksal meines Lebens, jede Nacht der gestirnteHimmel winkt.
Nein, es ist nicht schwer, ein Christ zu sein; es ist nicht schwer,o Gott, Dein Kind zu sein, und Dich und Deinen Willen mitInbrunst zu lieben. Es ist nicht schwer, sich aus diesem stürmischenWeltgetümmel hinwegzusehnen nach Dir, und den heiligen Wegdahin zu wandeln, den Jesus Christus mir vorwandclke.
Seid denn geliebt von mir, alle meine Feinde; seid gesegnetvon mir, die ihr mich verfluchet; ich will wohlthun euch, die ihrmich beleidiget! Fliehet von mir lasterhafte Neigungen, entehrendeGefühle, verführerisch lächelnde Sünden!— Nahe dich mir,bescheidene Dcmuth, heitere Nächstenliebe, fromme Gelassenheit,treue Redlichkeit, standhafte Wahrheit—ihr christlichen Tugendenalle! Nur in eurer Mitte ist Verklärung des Geistes, nur voneuch begleitet sehe ich einst lächelnd den Vorhang des Lebenshinter mir fallen, und vor mir die Pforten der Ewigkeit glänzendaufgehen!