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und doch ist seine Kraft so beschränkt. Cr kann, er soll sogarnicht beständig beten, er soll auch arbeiten, er soll mit seinenFreunden umgehen, er soll seine Kinder erziehen, er soll seinHauswesen regieren, er soll sich über mancherlei Nochwendig-keiten unterrichten. Aber wenn er alles dieses thut, soll er esmit Vernunft, mit Ueberzeugung, mit dem Vorsatze thun, es aufdie beste, edelste, nützlichste Weise zu vollbringen. Und dies undnichts Anderes ist das »Fahre Christenthum.
So ist denn das Christenthum keine unaufhörliche Begeiste-rung, kein beständiges Schweben in frommen Empfindungen,kein fortwährendes Gcbetesprechen, kein stetes Erbaulichreden-wollen, sondern eine ruhige, besonnene Stimmung des Gcmüths,nichts Unanständiges, nichts Unüberlegtes, nichts Schädlicheszu thun, sondern überall das Nützliche, das Wohlthätige, wasdas Beste anderer Menschen befördert, was Liebe und Friedenerweckt.
Und ist es denn wirlich so schwer, daß ein mit Vernunftbegabtes Wesen, wie der Mensch ist, nur bei allen seinen Hand-lungen vernünftig denke, spreche und handle? Ist es dennso schwer für einen gesunden Menschen, daß er sich vor Krank-heiten hüte, daß er nicht muthwillig ein Messer ergreife undsich selbst verwunde? — Wäre dies nicht Wahnsinn? — Undist nicht jedes Laster, jede böse Neigung, wodurch ich den Friedenmeiner Seele verletze, oder wodurch ich meine irdische und himm-lische Bestimmung vernichte, ebenfalls Wahnsinn?
Warum spricht man doch: Es ist so schwer, ein Christ zusein!— Heißt dies irgend etwas Anderes, als: Es ist so schwer,vernünftig zu sein, und den Wahnsinn zu vermeiden! — Nein,mein Jesus hat gesprochen: Mein Joch ist sanft, meine Last soleicht! Und sein Wort ist heilige, tief empfundene Wahrheit. Erlegte den Sterblichen nicht inehr auf, als sie im Stande waren,zu tragen. Er sagte zu ihnen: Seid nur so, wie ihr als ver-nünftige Geschöpfe selbst wünschen müsset, zu sein; laufet nurdem einzigen Ziele nach, dein ihr als vernünftige Geschöpfeselbst wünschet, nachzueilcn, euerm wahren Glück, euerin dauer-haften Glück, das weder auf Erden, noch in der Ewigkeit