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Waisen, als namenlos Undankbare gegen die Güte Gottes, alsVerbrecher gegen die Majestät und Heiligkeit des Ewigen!
Und diese Stunde, die Vorbotin des großen Gerichts, die. Ahnung unsers Schicksals in der Ewigkeit, sie ereilt endlich einenJeden. Sie erschüttert gelinder Diesen, gewaltiger Jenen. Sieerscheint ungerufen, oft unerwartet; überfällt uns mitten imTaumel der Lust, oder beschleicht uns am finstern Krankenlager.
Sie erscheint oft Diesem, wenn der Gedanke an die Größeund Herrlichkeit Gottes in ihm unvermuthet lebendiger als jemalswird; wenn er die Pracht des ewigen Weltgebieters in seinenSchöpfungen anstaunt, und geblendet von der göttlichen Glorieden Blick in sich selbst zurücksenkt, und seine innere Schlechtigkeitneben der Heiligkeit des Allerhöchsten mit Entsetzen wahrnimmt,daß er seufzen muß: o Herr, was bin ich, daß Du mein gedenkest?
Sic erscheint Jenem, wenn ein allgewaltiges Verhängniß ihnplötzlich aus dem Rausch des sinnlichen Wohllebens in das nüchrlerne Elend hinausschleudert — wenn er verzehrende Flammenüber sein Hab und Gut Hinrauschen sieht, und Alles, worauf ersonst stolz war, in Asche versunken erblickt; oder wenn der Kriegihn in die Armuth hinaustreibt, oder seine Widersacher ihn vonseiner Höhe Herabstürzen; oder wenn er einen von Wollüstenerschöpften und zerstörten Körper ins traurige, sieche, freudenloseAlter hinüberschleppt.
Sie erscheint Jenem, wenn irgend ein schrecklicher Zufall ihngewaltig dem Anblick der Ewigkeit näher rückt; wenn eine geliebteLeiche vor ihm ausgestreckt liegt in der tiefen, eisernen Todesrruhe, und das theure Amlitz, welches ihm sonst lächelte, ohneTheilnahme, ohne Gefühl in fester Erstarrung bleibt, als hättecs das Leben nie gekannt. Dann ist's, als rauschten die dunkelnPforten der Ewigkeit vor ihm auf. Er starrt an den Schwellender Gräber die Leichen an, und spricht: was ist aus dir geworden?und bebt und stammelt: was wird aus mir werden?-
Dann bemächtigt sich seiner das Schrecken, welches er sonstnie gekannt, wenn er unwillkürlich an seine höhere Bestimmungermahnt wird; wenn er mit Grausen denkt: ich lebe doch nicht ewig» auf Erden, und welches wird nachher das Loos meiner SeeleII. 13