Ev. Mark. 11, 24 —25.
D«n Abgrund stürzt zu Abgrund niederDas lastcrsroh gewordnc Herz,
Mit furc!.-:bar wehendem GefiederSGwcbt brütend über ik»» der Schmerz.
Die Reue quält mit SchlangenbissenDas schnell erwachende Gewissen —
Doch keine Kraft ist da — cs bleibtDas schambcladcnc Herz betäubt.
Wenn Tu nicht, allmachtrciche Gnade,
Zum tief versunknen Herzen sagst:
„Erhebe dich! — Geh' meine Pfade!
Ich kann, was du nicht mehr vermagst!"
Wenn Du aufs glühende GewissenNicht lä'sscst Deine Kühlung fließen —
Wer will, wer kann, als Du allein,
Mein Rath, mein Trost, mein Retter sein!
Äon allen Lebenssiundcn ist keine furchtbarer, als die ernsteVorbotin des großen Gerichts — die Stunde des schreck-lich erwachenden Gewissens — die Stunde, da wir wie voneinem langen Rausche, von einer schweren Betäubung erwachen,und uns ir. unserer ganzen Unwürdigkeit und tiefen Verwerfungerkennen. Dann verstummt, wie von der Hand des Todes be-bcruhrt, die sonst so beredsame, alles so gern entschuldigendeEigenliebe; dann flicht der lachende Leichtsinn von uns,der uns sonst über daö Verbotene scherzend hinwegführte, undüber die Abgründe Blumen warf; dann treten die Erinnerungenan unsere geheimen und öffentlichen Sünden, gleich Gespenstern,vor unsere schaudernde Seele, und schreien uns das Verdamrmungsurtheil zu. Wir sichen im zermalmenden Gefühl unsererNichtswürdigkeit da, einsam,, hoffnungslos, ohne Menschen-trost, — ach, wie konnte Staub uns trösten? — Dann ver-liert der Ruhm und das Ansehen seinen Zauber, der uns sonstentzückte: der Glanz des Goldes erblindet, nach welchem wir sonstso emsig haschten; die Gesänge roher Freude Hallen uns widerlich.W r haben nichts — ach, nur sind nichts, als verworfene