Dir, o Du heiligstes aller Wesen, und während meine LippeDich anrief, war mein Her; des Unheiligen voll.
Was ich sein soll und muß — ich weiß es wohl; aberdas Vollbringen habe ich nicht immer. Ach Gott! ich bin znschwach — cs ist ein Riesenkampf, den der Mensch mit seinenLeidenschaften eingehen soll; aber ich betrachtete den Kampf rvieein leichtes Spiel, und unterlag. Ich unterlag mit all denschönen, großen Kräften, die Deine Güte mir dazu verlieh. Omein himmlischer Vater, so bin ich's denn selber, der mir denStab gebrochen; so ist's denn meine Schuld, die mir das fürchter-liche Urtheil spricht: Du bist gewogen und zu leicht gefunden!
Erbarmer, Vater voll unendlicher Huld, nein, Du willstkmich nicht ganz verstoßen. Noch lebe ich, — noch tritt dieseStunde warnend vor meine Seele hin, und ruft: Was säumestbdu? Eile und werde gerecht und vollkommen, was du bishernicht warst. Wer seine Seele, seine Seligkeit retten will, derkann es, und aller seiner Sünden, so er gethan hat, soll danrrnicht gedacht werden; denn er thut nun, was recht und gut ist -so soll er leben.
Ja, Gott des Lebens, auch ich will leben. Und nur wessenGeist in Dir lebt, heilig, liebevoll, wohlthuend, der hat daswahre Leben. In Sinnlichkeit athmcn, für seine thierischerrTriebe athmen, das ist gleich sein den Pflanzen und Thieren.
Ich will mich in mir selbst verschließen — ich will Gerichthalten über meine Schwächen, ich will mustern die Reihe meinerFehler, meiner uncdeln Gemüthsbewegungen; — ich will mirRechenschaft ablegen über alle meine Verhältnisse zur Welt, unvprüfen, wo ich niedrig, thierisch war, wo ich hätte göttlich?
handeln können;-und dann mich ermannen, bessern daS
Schlechte, pflegen das Gute, austilgen das Ungerechte. — Ist?will die heiligen Früchte meiner Reue zeigen — zeige Du mir>Vater! Gnade, Vergebung. Du hast sie mir verheißen, durchJesum mir verheißen. Sie werde mir, daß ich nicht ewig ver-derbe ! Amen.