Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
276
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Lernen Gatten, deine Freunde, dein Hab und Gut von dir.Ach, dies Alles ist vielleicht noch nicht dein Liebstes! Sinneumher, was wird dir am schwersten aufzuvpfern? Vielleicht istrs eben das, was dein Herz ohnehin am meisten verachtet esist der liebste deiner Fehler, die tiefeingewurzeltste deiner bösenNeigungen!

Wahrlich, es gibt der Menschen viele, die endlich standhaftgenug sind, jeden Verlust äußerer Güter zu ertragen, aber nichtstandhaft genug, ihre eigenen unreinen Begierden abzulegen und«ufzuopfcrn. Sie könnten ihre Kinder zum Todesaltar führen,aber nicht ihren Ehrgeiz, ihren Eigensinn. Es wäre ihnenleichter, Haus und Hof zu verlassen, als ihren Stolz oder Neid.Sie würden mit Gelassenheit sterben, ab-:r sich nicht mit einemFeinde versöhnen können. Sie sind des schwersten Opfersnicht fähig, weil sie keine Selbstüberwindung haben weil sienicht in Christo leben.

Und doch ist's dieses, was Gott fordert; und doch zieltjedes Schicksal nur dahin, uns von diesen Flecken unsers Geisteszu reinigen; und doch sendet uns Gott nur darum Prüfungenaller Art, damit wir uns, gleichsam über uns selbst, zur wahrenFreiheit in Gott erheben sollen.

Herr, mein Gott! auch mich hast du gerufen, auch michschon bitter geprüft. Ich erkannte Deine Stimme in den trau?rigerr Schicksalen, die über mich und die Meinigen zusammen-gcstürzt sind. War denn Alles, was ich bisher verlor, nur Ver-lust, nicht Opfer? Habe ich noch nicht Glauben und Zuversichtgenug? Soll ich noch elender und glückloser werden, um zuerkennen, wo ich mein besseres Heil suchen möchte? Ist mein

Herz noch nicht rein, mein Geist noch nicht stark genug?-

O, mein göttlicher Vater! so läutere mich durch die Gewalt derTrübsale! Ich will gern dulden, um Dir wohlgefälliger zuwerden. Wenn meine Augen blutige Thränen über den Unter-gang meines Vermögens, meiner Freundschaften, meines Ansehensweinen möcksten, o so fühle ich wohl, daß ich das Nichtige nochzu viel, Dich und das Ewigbleibende, die Tugend, zu weniggeliebt habe.