Herr/ wer weiß/ wie oft ich fehle?Oft/ wenn ich mich bessern will/Stehet meine irre SeeleNur vor neuen Sünden still!
Und sie schlägt stch neue Wunden/Eh' die «ndcrn noch gesunden.
Zu beschränkt ist unser Wissen!
Zu gewaltig Fleisch und Blut.
Bald durch Zrrthum sortgerissen/Bald durch der Begierden Fluth/Können wir im schnellen HandelnSelbst nicht wissen/ wo wir wandeln.
Darum/ Vater/ steh' mir immerDu mit Deinem Geiste bei /
Daß nicht meine Rettung schlimmerAls der erste Fehler sei!
Fester Will' und kaltes PrüfenFührt aus des Verderbens Tiefe«.
^Sch erkenne meine Schwächen, meinen Unwcrth vor Gott, wennich mit rechtem Ernst untersuche, um welchen Preis, ach, oftum welchen geringen, ich mich weggebe. O wie oft vergesse ichmeine Würde als Kind Gottes, als Eingeweihter in Jesu Reich,als Berufener zur Ewigkeit! — Wenn eine Person, welche durchihr Alter ehrwürdig sein soll, sich läppisch beträgt wie ein Kind,oder noch die Thorheiten der Jugend mitmacht; wenn eine Person,welche durch ihren bürgerlichen Stand Hochachtung bei den Unter-gebenen erwecken soll, aus Gewohnheit, oder im Rausch, oderim Zorn Sachen spricht und thut, die ganz unter ihrer Würdesind: wie scharf weiß ich da zu tadeln! — Und ich selbst, ich, inChristi Erlüseter, ich, ein von Natur erhabeneres Wesen, nachdem Bilde der Gottheit geschäffen, vergesse so oft in ungerechtenlieblosen Handlungen meinen Geistesadel!
Dann, vor sich selbst errokhend, dann, die bittern Nachtheilefühlend, welche nur durch eigene Verschuldung entstandensind, möchte ich mich wohl zuweilen aufraffen, ein bessererMensch werden; aber nur zu oft verfalle ich eben damit wieder