Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
251
Einzelbild herunterladen
 

25 t

ein, und die Nothwendigkeit, sich an das Alleinse!i'gmachende>an den Jesusglauben, an die Tugend, an Gott anzuschließen.Gr betet. Er thut feierliche Gelübde. Doch der Augenblick-entrinnt. Die wichtige Lebensstunde wird wieder vergessen. Dieerste Lebhaftigkeit der Gefühle ermattet. Er erinnert sich kaumNoch des Geschehenen. Mit Frechheit spricht er: ich war damalsein Schwärmer! So tröstet er sich selbst über seine eigeneSchmach. Er bricht die Gelübde, welche er dem Allwissendengeschworen. Die Welt gilt ihm wieder mehr als die Ewigkeit;das Menschenurtheil, das rohe Hineinleben in die kommendenTage mehr als Gottesurtheil. Hier ist Verachtung und Ent-weihung der Würde und Majestät des Allerhöchsten. Jedemandern Menschen, einem Fürsten, einem Könige, würde er viel-leicht das gegebene Gelübde gehalten haben: aber Gott bricht eres! Vor den Menschen, den Kindern des Staubes, will erehrlich erscheinen; vor Gott, dem Ewigen, nicht. Vor der StrafeDer Menschen furchtet er sich; vor der Vergeltung des hohen und-gerechten Vergelters empfindet er keine Furcht.

Selbst unsere Flatterhaftigkeit, mit der wir in einer StundeDas Gute ausüben wollen, und in der nächsten Stunde daSBöse thun, ist Verletzung jener tiefen Ehrfurcht, welche wir demGebieter unsers Lebens, dem Beherrscher aller Welten, schuldig-sind. Dieser Leichtsinn, mit welchem wir uns den flüchtigenEindrücken äußerlicher Umstande überlassen, und nie eigentlichhandeln, wie wir sollen, und nach Jesu Anweisung handelnmüssen, sondern wie es uns am bequemsten ist: er ist Verrschmähung des majestätischen Gottes, dem wir jedes OpferVerweigern, sobald es uns eine Selbstüberwindung kostet,während wir unfern sinnlichen Begierden jedes auch noch s»^ schwere Opfer darbringen.

Darum ergeht so oft und ernst in schweren und frohenSchicksalen der Gottcoruf ans sündige Menschenherz: WarumVerfolgest du mich?

O, wer den Ruf versteht, er kehre um! Warum den ver-folgen, der uns mit unendlicher Liebe wohl will? Warum denverachten, der uns schirmt und erhält, und ohne dessen Willen