er des Sieges über ihn desto gewisser sein kann: so auch de?Christ.
Und durch welche Mittel weiß der Christ dieGewalt der Versuchung zu mindern, damit er beständigSieger, das heißt, Herr seiner selbst, würdiger NachfolgerJesu, »«entweihtes Kind Gottes bleibe?
Vor allen Dingen bemüht er sich, seine eigenen Tempera«mentsfehler kennen zu lernen, das heißt, diejenigen fehlerhaftenNeigungen oder Gewohnheiten, die ihm bei seiner körperlichenVerfassung besonders eigen sind. Denn ohne seine Fehler undihren Ursprung zu kennen, kann er sie nie mit Glück bekämpfen.
Indem er sich und sein Inneres prüfet, findet er bald, wieer von Natur entweder auffahrend und jähzornig, oder allzu-furchtsam und ängstlich ist; wie er entweder mehr zur Traurigkeitund zum Mißvergnügen oder zum Leichtsinn, zur Ausgelassenheitgestimmt ist; wie er entweder mehr Hang zum Geiz, zum Geld-gewinn, oder zur Eitelkeit, zur Gefallsucht, zum übermäßigenEhrgeiz und Stolz hat; wie er leichter zur Härte, zur Grausam-keit, zur Gleichgültigkeit gegen Anderer Noth, zur Schadenfreudehinneigt, oder zur Weichlichkeit, zur Wollust, zum sinnlichenWohlleben.
Indem er sich also untersucht, wird er bald gewahr, wieihm eben diese schwachen Seiten schon zu den ineisten FehltrittenAnlaß gegeben haben. Er sieht ein, was er nun zu thun hat,um ein vollkommener Mensch zu werden. Er kennt die wundenStellen seines Gemüthes, die er zu heilen hat.
So erforschet sich der Weise, dem es um seine Veredlungernsthaft zu thun ist, mit ruhigem Ernst. Er untersucht alle seinegeheimen Wünsche, und lernt daraus bald alle seine verbotenenund fehlerhaften Lieblingsneigungen erkennen. — Jetzt ist ihmder Feind seiner Seligkeit, der Störer seines Seelenfriedens,das Hinderniß seiner Vollkommenheit nicht mehr verborgen. —Er beschließt mit hohem Ernst, nun das Gegentheil von demzu sein, was er vorher war, und das Entgegengesetzte von demzu thun, was seine unheiligen Neigungen von ihm begehrenmöchten. — War er jähzornig: er beschließt, wenn er sich des