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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
237
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Die Versuchungen kommen nicht von Gott. Wie könnteLr uns selbst zur Sünde reizen wollen? Die Worte im heiligenGebete des Herrn: und führe uns nicht in Versuchung!sollen daher nicht heißen: und reize uns nicht zur Sünde, sondern:bewahre uns vor allen Anlässen zum Bösen, stärke unsere Kraftgegen die Reize des Lasters.

Die Versuchungen kommen nicht so vom Teufel, wie schwacheMenschen gern glauben möchten, um einen Entschuloigungsgrundfür ihre Thorheiten zu haben. Denn der Teufel hat keine solcheMacht über uns. Wir gehören Christo und Gott. Die bösenEngel haben keinen Theil mehr an dieser Welt. Sie sind gebun-den mit Ketten der Finsterniß (8. Petr. 8, 4.) und mit ewigenBanden, und in der Hölle aufbehalten zum Gericht des großenTages. (Jud. 1, 6.)

Sondern der Mensch ist sein eigener Versucher, das heißt, erreizet sich selbst zur Sünde, indem er, uneingedenk Gottes, «nein-gedenk der Ewigkeit, uneingedenk seiner hohen Bestimmung, nurthierisch lebt und empfindet, und nicht das thut, was er für recht undgut hält, sondern dasjenige, was seinen Sinnen angenehm, wasseinen niedrigen Leidenschaften und wilden Begierden wohlgefälligist. Darum seid nüchtern und wachet, (t. Petr. 5, 8.)

Sehet den verachtungswürdigen Trunkenbold, welcher fasttagtäglich seine Sinne mit starken Getränken betäubt, die Ge-sundheit seines Körpers zerrüttet, und seine Familie in Kummerund Schande stürzt. Es war eine Zeit, da er die Häßlichkeitseines Lasters kannte. Es war eine Zeit, da er den fremdenTrunkenbold verabscheute, der er nun selbst geworden. Aberder Kitzel seiner Nerven durch den Reiz starker Getränke wardihm angenehm. Umsonst warnten ihn Vernunft und Religion:entbehre diesen Kitzel deiner Sinne, und mache dich von diesemBedürfnisse frei, ehe du sein unloskäuflicher Sklave wirst. Erunterlag dennoch dem Reiz zur Sünde; er gab sich keine Mühe,der Versuchung zu widerstehen. Er suchte selbst die verführerischenGelegenheiten auf. So sank er von der Würde des Menschenzum rohen, sinnlich begehrenden Thiere hinab; so sank er vonder Würde des Christen zur ekelhaften Lasterhaftigkeit hinab, durch