doch sich einmal durch sein Vertrauen zum Rechtschaffenen getäuschtsieht — wenn er durch dieses Vertrauen zu einem falschen Schrittverleitet wäre: hätte er an der Barmherzigkeit des Allbarmherzigenzu zweifeln? — Nein, o Gott, Du weißt es, hier war nichtSünde, sondern Unwissenheit; hier war nicht Bosheit des Ge-müthes, sondern menschliche Beschränktheit.
Der Mensch ist oft durch widersprechende Verhältnisse, durchfeindselige Umstände gezwungen, auch wider seinen Willen einemAndern wehe zu thun, um seine eigenen oder eines DrittenRechte zu schützen. Ist hier Sünde? — Nein, es ist das harteGebot der Nothwendigkeit, unter zwei Uebeln das kleinere zuwählest! So sündigt auch der Richter nicht, wenn er nach Prü-fung aller Gründe endlich, nach seiner bessern Ueberzeugung, denEinen losspricht, den Andern zur Strafe verdammt. Vielleichtverdammte er den Unschuldigen, gegen den Alles zeugte; vielleichtsprach er den Strafwürdigen los, zu dessen Lobe alle Umständeredeten. Aber wenn hier der Richter ungerecht sprach, er wußtees nicht; sein Herz war nicht ungerecht, nein, sein Spruch.
Der Mensch ist oft gezwungen, auch wider seine NeigungAndern Uebels zu thun. Höhere Pflichten gebieten ihm dieseHärte, er darf nicht prüfen, nicht wählen. Seine Umständebringen es mit sich, daß er nur zu gehorchen hat.
So tritt der Soldat hinaus in das Schlachtfeld. Feindestehen ihm gegenüber, die er vernichten soll, ungeachtet sie selbstihn nie beleidigten. Sein Geschoß tödtet, sein Schwert ver-wundet vielleicht die edelsten und besten seiner Nebenmenschen;vielleicht den guten Sohn einer verlassenen Mutter; vielleichtden Vater liebenswürdiger und unerzogener Kinder; vielleichtden dankbaren Ernährer und Versorger eines alten, krankenVaters; vielleicht den Gatten eines hilflosen Weibes? Wie,schreit das Blut der Gefallenen zum Himmel gegen die Hand,welche es vergoß? Wie, ist der Krieger Sünder, weil er denBefehlen seiner Obrigkeit gehorcht, die Gott über ihn setzte?Nein, ihn zog nicht Selbstrache, nicht Blutdurst, nicht Raub-gier ins Schlachtfeld, sondern er ging dahin, ein Werkzeughöherer Macht, treu dem Gesetze, dem Fürsten und dem Vater-