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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
229
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Wenn ich dann nachher erst einsehc, ich habe Unrecht gethan;wenn mich die Folge erst überzeugt, ich hätte, was ich gethan,nicht thun sollen: so ist die Reue edel, und ste beweiset meineGottesliebe. Aber der Fehltritt aus Unwissenheit, oft in besterAbsicht gethan, ist mir nicht zur Sünde angerechnet. DennGott richtet nicht den Erfolg unserer Handlungen, der nie vomSterblichen abhängt, sondern er richtet unser Herz, und dies istunser Eigenthum. Er richtet nicht unsere Einsichten, denn diesehängen von tausend Umständen ab, sondern er richtet unfernWillen, denn dieser hängt von uns ab.

Der Mensch ist so kurzsichtig, so beschränkt! Nicht derMensch einmal wagt eS, vom Menschen zu fordern, eik solleniemals irren. Wie denn, mein Herz, wenn du wirklich ausUnwissenheit gefehlt hättest, warum hörst du nicht Jesu Gebetam Kreuz für diejenigen, welche ihn als Missethäter zum Richt-platz schleppten:Vater, vergib ihnen, denn sie wis-sen nicht, was sie thun!" (Luk. 23, 34.)

Der Mensch ist so kurzsichtig, so beschränkt! Oft muß ersich zu Handlungen plötzlich entschließen, ehe er nur Zeit hat,sie zu prüfen. Er glaubte das Rechte und Gute zu wählen, undkonnte vielleicht das Ueble wählen. Gott richtet den Willen,Gott richtet den Sinn. Er fordert nicht Allwissenheit vondem schwachen Sterblichen, sondern daß er das Beste thue unterde« Umständen, in welchen er sich eben befindet; nicht das Bestenach göttlicher Einsicht, sondern das Beste und Gerechtestenach unfern schwachen Kenntnissen. Und wenn wir dann wirk-lich irren kann Gott, der weise Vater, des armen Kindeszürnen, welches beim besten Willen fehlt?

Der Mensch ist kurzsichtig und beschränkt! Oft kannund darf er nicht nach eigenen Einsichten handeln; oft fehlen sieihm ganz, und es wird ihm zur Pflicht, im Vertrauen auf Wortund That »lnd Handlungsweise derjenigen zu urtheilen und zugehen, die bisher seines Vertrauens würdig waren. Es wirdihm zur Pflicht, dem rechtschaffenen Mann fester zu glauben,als demjenigen, der aus Eigennutz, Leidenschaft, Trotz oderBosheit zu handeln pflegt. Wie, und wenn der Christ dann