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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
222
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Auf daß wir nie der höhern Bestimmung vergessen, der wirdurch unsere Natur geweiht sind, empfängt uns die Veredlerinunsers Daseins schon an den Schwellen des Lebens, da wir indie Welt eintreten. Die heilige Taufe wird dem Säugling ge-geben, und er damit von den beglückten Aeltern dem Himm-lischen gewidmet, noch ehe er es kennt. Ach, der Vater, wenner den holden Säugling in der Wiege, und die Mutter, wennsie ihn an ihrer Brust erblickt, gedenken unter geheimen Thränenauch wohl der Sterbestunde des Lieblings.

In der Feier des Abendmahls Jesu Christi wird der Bunddes Getauften mit dem Himmel erneuert. Seine Geisteskräftehaben sich entwickelt. Er tritt selbstdenkend und selbsthandelndin das Leben, bald sich selbst und seinen Mühen überlassenin der Gedächmißfeier des Erlösertodes Jesu soll sein Muth er-starken, als Christ und Weiser durch Freude und Leid jedemVerhängnisse entgegenzugehen. So winkt abermals die Religiondem Sterblichen bei einem der wichtigsten Abschnitte des Lebens-laufes empor zu dem, was droben ist, und mahnt ihn, daß erunter des Tages Last und Hitze, unter den Ausschweifungen,den Sorgen und Zerstreuungen eingedenk bleibe, er habe höhernBeruf in sich, als bloß für den Tand der Erdenwelt.

Liebende stehen vor Gottes Altäre, und geloben dem All-gegenwärtigen die ewige Treue ihrer Herzen. Auch Thiere undPflanzen begatten sich; aber Menschen vermählen ihre Seelen,ihre Gefühle, ihre Schicksale, alle ihre Sorgen, ihre letztenSeufzer. Vielleicht wäre zu solcher Verbindung die einfachebürgerliche Handlung vor der Obrigkeit hinlänglich, wie beivielen andern Verträgen der Fall ist. Aber hier ist nicht einbloßer Vertrag um Rechtsame und Eigenthum, es ist ein Vertragder Gemüther, ein Bündniß der Geister, der nur durch Tugendenbesteht. Darum verklärt ihn die Religion mit ihrem Glanze,daß auch in diesem Ereignisse der Mensch sich über das gemeineThierische erhebe, sich seines göttlichen Ursprungs bewußt bleibe.

Und bis zum Sterbebette und bis zum Grabe ist Religiondie treue Begleiterin. Unter feierlichen Einsegnungen und Ge-beten, mit dem Gedanken an den Allerbarmer, entschlummert