Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
219
Einzelbild herunterladen
 

219

in königlicher Pracht dem Gott der Götter seine Psalmen. DerHeide beginnt sein Tagewerk nicht, ohne vorher dem Himmelsein Opfer geweiht zu haben. Der Verehrer des Mahomedswendet seinen Plick gegen Morgen, wirft sich demuchsvoll aufdie Knie, und berührt mit seiner Stirn den Staub des Bodensund betet.

Und die Christen, was thun sie?

Jesus, der göttliche Offenbarer dieses Glaubens, verknüpftejede wichtige Handlung seines Lebens mit einer bedeutungsvollenreligiösen Feierlichkeit. Lange wohnte er in stiller Dunkelheit,sich auf sein großes Lehramt vorbereitend. Und als er es be-gonnen, war die Feierlichkeit der Taufe gleichsam die Weihe,welche er von der Erde und vom Himmel in des Jordans Wellenempfing, dann, muthvoll auf den ewigen Vater in den Höhenblickend, trat er in die dornenreiche Laufbahn seines Erlösungs-werkes ein. Er lehrte, duldete, bis die Stunde kam, da erfür die Sünden der Welt auf Golgatha bluten sollte. Es kamder Abend, da er zum letztenmal im vertrauten Kreise seinerJünger saß es kam der Augenblick, da er sein großes Lehr-amt enden mußte. Es geschah mit religiöser Feierlichkeit durchStiftung des heiligen Nachtmahls, zum Gedächtniß seines Welt-erlösertodes.

Und die Christen, was thun sie?

Die Jünger des Göttlichen folgten treu dem Beispiel desLebensheilandes. Die Ordnungen der Taufe und des Nacht-mahls, wie sie dieselben von ihm empfangen hatten, wurdenbeibehalten, Jahrhunderte lang nach seiner Vollendung mitgleicher Inbrunst gefeiert, manche andere heilige Handlungenbeigefugt. Nirgends ward ein öffentlicher Freudentag, nirgendsein großer Trauertag begangen, ohne daß die ersten Bekennerdes Herrn ihr andachtvolles Auge zuerst gegen ihn emporrichteten.Er hatte ja verheißen: wo ihrer Wenige in meinem Namen ver-sammelt sind, da will ich mitten unter ihnen sein?

Und die Christen unserer Tage, was thun sie?

Sie haben der Feste genug aber wo sind Herzen, welchesie feiern? Sie haben kirchliche, sie haben bürgerliche Feier-